Sonne und Schatten

Brahma

Der rote Schläger denkt, dass er schlüge,
und der Erschlagene denkt, er sei erschlagen:
Sie wissen nicht, wie heimlich ich es füge,
dass alle Dinge mich im Innern tragen.

Für mich ist nah, was ferne und versunken;
Sonne und Schatten geben sich nichts nach;
Götter erscheinen mir, die längst entschwunden;
ein und dasselbe sind mir Ruhm und Schmach.

Wer mich verleugnet, kennt nicht seine Lage:
Wenn er mich flieht, bin ich, was ihn beschwingt;
ich bin der Fragesteller und die Frage;
ich bin das Lied, das der Brahmane singt.

Die Götter sehnen sich nach meinen Gründen,
den Heiligen Sieben lass ich keine Ruhe;
du, Liebender des Guten, wirst mich finden
und kehrst dem Himmel deinen Rücken zu.

Ralph Waldo Emerson

Das Sauerkrautgesicht

Die Auferstehung einer verlorenen Liebe

Der deutscheste Deutsche besiegte zuerst sich selbst,
Ursprung und Lösung all unserer Probleme, liebster Zeitvertreib.
Ein erloschenes Herz, das keine Ruhe fand und als Repräsentant der Völker durch Europas schmutzige Sumpflandschaften irrte.
Gott segne ihn, den geheimnisvollen Unbekannten.

Der deutscheste Deutsche, aus dem Nichts geboren, ein Sauerkrautgesicht mit Fischaugen. Bejubelter Witz, im erlauchten Kreis ungenutzter Möglichkeiten. König des sittlichen Empfindens, Retter, Heiland und Erlöser, verspricht seinem Volk Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Ein Gummibärchen auf dem Weg zu wahrer Macht, flankiert vom linkischen Bruder und der Gift speienden Schwester.
Gott sehne ihn, den designierten Imperator.

Der deutscheste Deutsch lüftet die Maske, gibt sich als einsamer Reiter,
in dunkelster Nacht zu erkennen, dem es erlaubt sei zu sprechen,
weil er sich als flüchtiger Furz erwies. Ein laues Lüftchen,
welches fröhlich und unerschrocken verpufft. Ein Goldfisch im Piranhabecken skrupelloser, verrückter und unberechenbarer Staatenlenker.
Gott segne ihn, den deutschesten Deutschen.

 


Der Glücksschiss

tunnel

Außer Anton hauste im Tal der Gesetzlosen so ein geheimnisumwobener Typ namens Schmogg und dieser unheimliche Kreisläufer, von dem keiner den Namen wusste, so unheimlich war der. Schweigend drehte der Wahnsinn seine Runden, eine nach der anderen, immer im Kreis. Tagelang derselbe Trott, bis der Kreisläufer abrupt stoppte und sich mitten in den Raum stellte, um seine Geschichte zu erzählen. Irgend so eine Aktion in Hamburg. Der unheimliche Kreisläufer zog die Hose runter, hielt es anscheinend für eine gute Idee und schiss einem Polizeibeamten vor die Füße. Ohne Klopapier, das muss man sich mal vorstellen, drückte unser Held ab. Ein Glücksschiss, genau das war es. Warum hast du das getan, haben wir ihn gefragt. Natürlich waren wir neugierig und wollten genauere Auskunft, aber der Kreisläufer schwafelte nur was von Ausweispapieren. Genau haben wir das nie verstanden. Einen beeindruckten Haufen soll er hinterlassen haben, da war er echt stolz drauf. Über Größe, Konsistenz und Farbe des Haufens berichtete er ausführlich, immer und immer wieder. Letztlich bescherte ihm die Aktion eine Einlieferung in die Psychiatrie. Dort kümmerten sie sich um ihn, versorgten ihn mit der passenden Chemie und verpassten ihm die richtige Einstellung. Seitdem läuft er im Kreis.

Unter Tieren

Ich glaube, es fiele mir nicht schwer, unter Tieren zu leben.
Sie sind so still und genügsam.
Lange kann ich dabei verweilen, ihnen zuzusehen.
Sie rackern sich nicht ab, sie jammern nicht, wie schlecht sie dran sind.
Sie welzen sich nachts nicht im Bett, um ihre Sünden zu beklagen.
Sie öden mich nicht an, indem sie mir ihre Pflichten gegenüber Gott darlegen.
Keines von ihnen ist unzufrieden, keines infiziert vom Wahn,
etwas besitzen zu müssen,
keines beugt vor seinen Artgenossen das Knie,
auch nicht vor irgendeinem, der seit Jahrtausenden tot ist.
Keines hat einen Ruf zu verlieren,
keines von ihnen ist unglücklich über diese Welt.

Walt Whitman, einer der ersten Selfpublisher. Sein bekanntestes Werk „Grashalme“ überarbeitete er sein ganzes Leben. Nun wurde ein bisher unveröffentlichter Roman von ihm entdeckt. Wir dürfen gespannt sein.

Montagslyriker – Shakespeare, Brecht, Kafka, Frisch, Hesse etc.

Frauen arbeiten in einem Weinberg

Am Montag um sieben,
so steht es geschrieben,
stellt sich ein Montagslyriker vor sein Publikum,
zeigt sein Können, sein Werk,

seine Kunst.
Gibt Einblick,
für unseren Durchblick,
lässt hoffen,
zweifeln,

schenkt Vertrauen.
Die Sonne geht auf,
die Sonne geht unter,
die Montagslyriker stehen irgendwo dazwischen
, am Tag,
in der Nacht,
so ist es mit dem Mond abgemacht.
Seit so frei und
begrüßt in unserer Mitte:

Christin von Margenburg

>>> http://wellen-der-zeit.blogspot.de/

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Falco

Eine Auswahl von Zitaten das Johann „Hans“ Hölzel, genannt Falco:

„Ich bin ein leidenschaftlicher Raucher, ich rauch schon, seit ich atmen kann, inzwischen hat’s sogar meine Mutter gemerkt.“

„Ich lebe nur einmal, und so wie ich lebe, ist einmal genug.“

„Wenn ich schon mal zu früh sterben sollte, dann wie James Dean – auf einer Kreuzung, im Porsche. Zack. Aus.“

„Wenn ich morgen meinem Gott gegenüberstehe, kann ich sagen: Ich bin unschuldig! Ich hab niemanden was getan, ich hab niemanden g’legt, ich hab niemanden betrogen, ich hab niemanden weh getan … außer mir selbst. Und das wird er mir hoffentlich verzeihen.“

„In Wien, musst erst sterben, dass dich Hoch leben lassen. Aber dann lebst lang.“

kein Champagner, kein Pardon

Dein Körper war hier und dort,
die Tussi von der Rückbank, mit dem gefärbten Pelz,
der leichten Art, dem einladenden Blick,
ich hab dich, nein, geliebt hab ich dich nicht.

Für dich musste ich nicht lügen, jemanden betrügen,
du warst so frei, ganz ungezwungen,
gab’s nichts zu bereuen, nichts zu verzeihen,
kein Champagner, kein Pardon.