Herr Jaschinski, ein verehrter Großmeister

Aus meinem Roman „Lucia – Mein liebster Wahnsinn“

Die Abwesenheit von Herrn Jaschinski traf unseren Amtsleiter sowieso ziemlich hart, berichteten meine Kollegen. Sie sagten auch, dass der Chef eine ganz spezielle Beziehung zu Herrn Jaschinski pflegte und diesen, seinen fähigsten Speichellecker, nicht ersetzen konnte oder wollte. Herr Jaschinski war, ohne jegliche Übertreibung, ein Arschkriecher ersten Ranges. Königsklasse, wenn man so will. Dieser befähigte Wurm war zu Höherem berufen und bekannt für seine filigrane Arbeit. Ein geschmeidiger Arschmeister, der sich liebevoll und mit höchster Präzision seiner Tätigkeit widmete. Im Mikrobereich bearbeitete Herr Jaschinski jedes Detail mit einer besessenen Obsession, um so hörig und unterwürfig wie möglich, im Arsch seines Wirts Position zu beziehen.

Seinen Charakter verachtete ich,

in dem Punkt hatte Herr Jaschinski nicht viel zu bieten. Seinen Anblick zu ertragen bereitete mir fast körperliche Schmerzen, obwohl er nicht intrigant war. Für ihn existierte ich gar nicht. Seine Leidenschaft galt den Ärschen der Führungspositionen. Dennoch bewunderte ich sein Lebenswerk und seine Begabung. Herrn Jaschinski ging es ausschließlich um die Arschkriecherei an sich, er war kein Angeber. Unangefochten stand er an der Spitze aller Wirbellosen, war deren verehrter Großmeister.

Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten ihren steifen, ungelenken Körper überhaupt in Richtung Anus zu bewegen. Bei diesen Dilettanten hapert es an unbedingter Charakterlosigkeit und nicht zuletzt am absoluten Willen, sich den Zielen und Wünschen eines körperfremden Individuums zu unterwerfen. In einer fließenden Bewegung, schlüpfte dieses menschliche Zäpfchen, direkt in die aufnahmefähigsten Regionen eines für würdig empfundenen Arsches und setzte dort seine Anker.

Was den einfachen Bürger große Überwindung kostet,

schier unmöglich erscheint, war für Herrn Jaschinski tägliches Geschäft. Unermüdlich nutzte dieser rückgratlose Wurm jede sich bietende Gelegenheit. Selbst in der Frühstückspause ertappte ich ihn, wie er am Arsch des Amtsleiters schnupperte und Schwups darin verschwand. Kein Sterblicher wird auch nur annährend begreifen, was für bedeutende Arbeiten er da drin zu erledigten hatte.

Um es auf den Punkt zu bringen, viele Analschleimer sind peinlich berührt, werden sie bei ihrer Tätigkeit beobachtet. Herrn Jaschinski war derartig unangebrachtes Schamgefühl fremd. Mühelos glitt dieser Parasit durch die Eitelkeiten seines Wirts und war erst zufrieden, wenn er sich der vollen Aufmerksamkeit, aller von ihm auserwählter Ärsche, gewiss war. So einer war das, der Herr Jaschinski.

Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

4 Kommentare zu „Herr Jaschinski, ein verehrter Großmeister“

  1. Ich hab das alles auch erlebt und muss sagen: Sehr gut eingefangen. Manchmal scheint es satirisch übertrieben, aber ich schwöre, so ist es in vielen Ämtern und auf vielen Arbeitsstellen. Weil die ja auch meistens ihre Mitarbeiter schon so auswählen, dass es gehorsame Untertanen sind, die nach oben buckeln und nach untern treten. Wenn sich dein Buch in dieser Weise fortsetzt, muss ich es haben. Das mit den Popeln ist vielleicht etwas übertrieben, aber man kann es ja auch bildlich sehen. Aber jetzt versteh ich deinen Hang zur ganz leichten Übertreibung hier und da in gesetzten Portionen: Dadurch wird der Sachverhalt erst richtig klar. Sprachlich und stilistisch auch immer in einer Einheit. Ich muss sagen, da hast du etwas Gutes und nicht Alltägliches produziert. Ich wünsch dir Erfolg mit diesem schönen Roman. LG PP

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  2. PS: Hab mir gerade die Rezensionen bei Amazon durchgelesen. Und ein Rezensent bemängelt die Rechtschreibung. Mach dir nix draus: Es gibt immer Menschen, die auf die Nebensächlichkeiten rekurrieren, um von der Hauptsache abzulenken. Ich seh das oft in Foren, wo einer eine Frage stellt und die Leute auf alles Bezug nehmen, nur keine Antwort geben. Und das sind genau die Leute, die du in deinen Geschichten karikierst: Die Kleinkarierten 😀

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