In einem anderen Land von Ernest Hemingway – Rezension

Soldaten an der Front

Der erste Weltkrieg

Dieses Jahr habe ich noch nicht viel gelesen, zumeist Zeug von Bukowski, zum dritten oder vierten Mal, einfach weil ich damit immer richtig liege. Was derzeit veröffentlicht wird enttäuscht fast durchgängig und ich muss das Buch bereits nach den ersten zehn Seiten weglegen. Naja, dieses Jahr waren ein paar besonders derbe Reinfälle dabei, aber auch ein echtes Highlight:

A Farewell to Arms

Ohne Zweifel ist „In einem anderen Land“ für mich sein bestes Buch, das 1929 unter dem Titel „A Farewell to Arms“ erschien. Hemingway berichtet von seinen Erlebnissen als Soldat auf Seiten der italienischen Armee während des Ersten Weltkriegs, wo er als Fahrer tätig war. Im Verlauf einer Schlacht wurde er von einer Granate getroffen und schwer verletzt. Über drei Monate lag er in einem Krankenhaus in Mailand und verliebte sich dort unglücklich in die Krankenschwester Agnes von Kurowsky.

Der Inhalt ist schnell erzählt und wahrscheinlich schon tausendfach rezensiert, weshalb ich darauf gar nicht eingehen will, ich empfehle hier den Beitrag auf Wikipedia. Was mich an diesem Roman wirklich faszinierte war das letzte Drittel, die Flucht seines Protagonisten vor der italienischen Armee, gemeinsam mit seiner Geliebten und das wirklich tragische Ende. Wie gesagt, ich möchte euch nicht mit irgendwelchen Zusammenfassungen langweilen. Diese vier Sätze sagen alles:

„Wenn Menschen soviel Mut auf die Welt mitbringen, muss die Welt sie töten, um sie zu zerbrechen, und darum tötet sie sie natürlich. Die Welt zerbricht jeden, und nachher sind viele an den zerbrochenen Stellen stark. Aber die, die nicht zerbrechen wollen, die tötet sie. Sie tötet die sehr Guten und die sehr Feinen und die sehr Mutigen; ohne Unterschied.“

(S. 289/290)

Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

20 Kommentare zu „In einem anderen Land von Ernest Hemingway – Rezension“

  1. Von Hemingway hab ich zwei Bücher gelesen. Hat mir alles gut gefallen. Der eine Roman ist glaub ich sogar verflimt. Ist aber lange her und mein Gedächtnis lässt schwer nach. Hab grad gegoogelt: Also „Inseln im Strom“ und „Wem die Stunde schlägt“. In dem einen Roman kommen seine Kinder vor und ich glaub, eins davon stirbt, ertrinkt beim Angeln nach Haien, aber ich kann mich irren. Kommt auch ne schöne Stelle drin vor, die ich niemals vergesse, wo die Kinder mit dem Vater in einer Bar sind und ebenfalls harten Alk bestellen: Ist aber nur, um den Wirt zu veräppeln ..

    Als Hem nicht mehr trinken durfte, weil seine Leber kaputt war, ging er in ein Waffengeschäft, ließ sich ein paar Gewehre vorführen und erschoß sich mit einem im alter von 60 Jahren. Auch seine Tochter, eine Schauspielerin starb an Suizid. Schade darum um ihn und sie. Er war noch ein richtiger Held, der auf Großwildjagd ging und keinem ehrlichen Boxkampf aus dem Weg, ein Abenteurer mit Herz und verstand der alten und harten Schule.

    Aber er war auch Katzenliebhaber, hatte ein Dutzend Katzen, die er alle liebte und als er einmal eine seiner Katzen erschießen musste, weil sie unheilbar krank war, hat er geweint wie ein Kind ..

    LG PP

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    1. Von Hemingway wurde alles verfilmt, gefühlte hundertmal. Zu seiner Zeit war er der Größte, aber anscheinend auch ein ziemlicher Kotzbrocken. Naja, er war halt ein Mann und Alkoholiker, da geht man den Leuten halt auf den Sack. „Wem die Stunde schlägt“ hab ich auch gelesen. Ist ähnlich wie „In einem anderen Land“ nur das die Tragik noch weitaus größer und bewegender ist. Sein Vater hat sich übrigens auch erschossen. Depression wird halt vererbt.

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      1. Depression ist eine der schlimmsten Krankheiten überhaupt. Und der Witz dabei ist, dass man dann auch nicht an andere denkt, sondern egoistischerweise nur an sich selbst. Das spür ich auch bei viele gestörten Menschen, dass sie ihr Leiden durch die Selbstbezogenheit noch verschlimmern. Wenn man auch ständig nur in sich selbst reinhört und nur sein eigenes Leid erkennt, dann fällt die Umwelt – die etwa helfen könnte durch ausgstreckte Hände – hinten runter. Mag sein es gehört zur Krankheit, mag sein, es entsteht dadurch, dass man sich selbst mehr beobachtet, wenn mna um sein Leid weiß. Ich möchts nicht wissen, ob ich depressiv bin. Wenns mal manifest ist, steigert man sich natürlich rein bei jeder kleinsten Traurigkeit, die natürlich auch zum Leben gehört und die jeder mal empfindet.

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  2. Ich muss mir mal die Hemingway-Filme anschauen. Bestimmt guter Stoff. Es ist ja bei allem immer auch die Liebe eingebunden und dies macht ihn mir so sympathisch neben anderem. Er hatte übrigens als bekannter und gediegener Trinker in einer Bar in Paris einen Barhocker, der noch heute seinen Namen trägt und der immer für ihn reserviert war und auf den sich noch heute kein anderer Gast setzt. Ähnlich Schopenhauer, der in einer Kneipe im frankfurter Ostend 5 Mark auf den Tisch legte und sagte, die wären für den Menschen, der wirklich lauter sei. Ich war dort und das Geldstück liegt noch dort auf der Theke. Wirklich, kein Witz. 🙂

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      1. Muss ich kucken den Film. weil meine Sis zwar nicht authistisch ist, aber in so ner angenäherten Form manchmal schwer erreichbar ..

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  3. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich erst eine Verfilmung von Buks Romanen gesehen habe und der hatte irgendwie was und kam mir fast so vor wie eine Aneinanderreihung einiger seiner Gedichte. Ich war plötzlich in manchen Szenen wirklich in Buks Welt, die ich nur von seiner Lyrik her kenne, diesen eher unorthodoxen Gedichtformen, die von einigen Kritikern als „Kurzgeschichten“ gesehen werden, aber doch Gedichte sind, Fotografien Momentaufnahmen. Eine Kurzgeschichte ist eher wie ein kleiner Film, der eine zeitliche Entwicklung enthält mit Anfang und Ende und einem Höhe- und dazu einem Wendepunt. Und doch springt Buk in seiner Lyrik über die Grenze und stellt einen kleinen Zeitrahmen dar, so dass man eigentlich von einer völlig eigenen Form sprechen kann, die sich zwischen starren Gedicht und beweglicher Story bewegt. Wer hat da wohl schon drüber nachgedacht und erkannt, dass Onkel Buk sovieles anders macht als andere und seinen völlig, ihm eigenen Stil entwickelt und beibehält und ausbaut? Originalität ist ein Kennzeichen echter Kunst. Aber es ist ja alles Geschwafel und Offenbarung eines Halbwissens, was der gute PP von sich gibt. Ich wär froh, manche Hochschulabgänger hätten so ein fundiertes und sicheres Halbwissen, wie meins ist. Und was wäre denn im Gegensatz zum Halbwissen ein Ganzwissen, ein Alleswissen im studierten oder angelesenen Fach? Gibt es das überhaupt? Wer kann denn alles wissen? War doch keiner persönlich dabei im Leben der Künstler. Es beruht doch alles auf dem Glauben an Sekundärliteratur. Ich selbst ziehe meine Schlüsse lieber aus dem Werk selbst und mache mir meinen Reim drauf und selbst dies kann niemals die ganze Wahrheit sein, weil Künstler nämlich zwischen Dichtung und Wahrheit ständig pendeln, zwischen Realität und Traum, zwischen Verstandeskraft und Imagination. Und das macht die Magie eines guten Werkes aus, dass man hineininterpretieren oder herausholen darf, was man will. So ist der Leser immer auch Co-Autor, der seinen Lebensumständen gemäß selektiert aufnimmt durch seine eigene Wahrnehmung, im Geiste etwas streicht oder hinzufügt. Und deshalb bringt uns Literatur weiter, tröstet oder rüttelt auf, zwingt zu Zustimmung oder Ablehnung. Und das höchste der Gefühle man wohl sein, wenn man einen Dichter, Musiker, Maler gefunden hat, der einem geistesverwandt scheint. Denn dann findet man sich selbst in seinem Werk wieder und erhält Resonanz und Zuspruch und Trost für sein eigenes Werk und Leben. Als ich etwa Edgar Poe fand, habe ich mich selbst gefunden. Spinnerei? Ja, natürlich, denn das Leben besteht aus Spinnerein und wenn einer genauso spinnt wie du selbst, stehst du nicht mehr so alleine da und hat nicht selbst Sartre einmal gesagt, dass Bücher die besten Freunde sind? Sie sind es wahrlich. Was wäre das Leben ohne Tom Sawyer, ohne Pippi Langstrumpf, ohne Winnetou, ohne Miss Marple, ohne Dracula und Frankenstein: Ein trites Dasein. Aber ich glaube ja auch selbst an den Nikolaus, solange er mir jedes Jahr wieder diese leckeren Naschereien in den Stiefel steckt – Danke Papi! 🙂

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    1. Das Wissen der meisten, studiert oder nicht, basiert auf dem Google-Suchfeld. Das ist einfach mal so und wenn ich mir die Kommentare von Lektoren, Verlagsfutzis und anderen Autoren geben muss und wie sie sich im Laufe der Diskussion zumeist selbst verraten, kann ich nur sagen, dass sind Handwerker, die mit den Regeln vertraut sind, aber von Gefühl oder gar Liebe keine Ahnung haben. Programmierte Maschinen, die glauben, sie hätten die Welt erfunden. Naja, es ist wichtig, sie in ihrem Glauben zu lassen, sonst werden sie hässlich.

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      1. Ich schrieb mal für eine Literaturzeitschrift und brachte dann Gedichte und der Hammer war, dass mir einmal gesagt wurde, ich müsste meine Figuren besser ausbauen. Das ist iwie so der Standard bei diesen Leuten, dass sie dies sagen. Die setzen sich ja gar nicht mit den Figuren auseinander und wenn ich dran denke, wie du deine Leute im Roman analysierst und in ihrer Wahrheit erkennst, dann ist das einfach genug. Man muss doch nicht noch angeben, welche Marke die Unterhose hat, sondern jede Figur soll ja auch ein wenig Geheimnis enthalten, zur Eigeninterpretation des Lesers. Lektoren sind wie Kritiker selbst verunglückte Autoren, die auch ein wenig neidig sind und darüber hinaus ihre Macht gern ausnutzen oder ihren unterschwelligen Sadismus, denn Sadisten begeben sich gerne in Positionen, wo sie über andere das Sagen haben. Wenn du als Knastschließer oder Mitarbeiter der Arge abgelehnt wirst, dann werde Lektor und quäle hoffnungsvolle Jungautoren. Sorry, mag etwas überspitzt klingen .. Aber ich komme aus dem satirischen Bereich 🙂

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      2. Ja, das ist dasselbe wie über Inhalte sprechen. Wir brauchen mehr Inhalte, verstehst du? Wir brauchen keine Autobahn oder Arbeitsplätze oder Kitas oder Zinsen auf der Bank, wir brauchen Inhalte und zwar sofort 😉

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      3. Politisieren ist ja nicht angesagt auf unseren Blogs, weil man ja auch gleich wieder die da hat, die alles besser wissen, aber zeig mir einen Staatsmann hierzulande, dem man trauen kann, zeig mir einen Manager, der freiwillig verzichtet. Hier ein kleiner Italiener seh ich immer mit seinem Hund spazieren gehen und er sagt, dass hier in Deutschland alles Korruption ist unter dem Deckmantel des Lobbyismus.

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