Montagslyriker – Mädchen in Rot

Mädchen in Rot

Rot sind die Schlachtfelder im morgen Grauen,
tot ist der Krieger in der Dämmerung, rot ist der Witwe Haar.

Rot sind die Früchte, die köstlich schmecken, aber auch derer Menschen verrecken.

Rot ist dein Herz, ob Glück oder Schmerz.
Rot ist ihr Kleid, mal Schickimicki, mal schlicht und klar, mit so einer Frau tritt man vor den Altar.

Himmel auf, Regenbogen an!
Unser Mädchen in rot, ist heute dran. Am Montag um sieben, so steht es geschrieben, bist du unser Engel auf Wolke sieben.

Entschuldigt den Reim, bei so viel Schönheit, da müsst ihr verzeihen.
>>> http://maedcheninrot.wordpress.com

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Es war schon immer die Nacht. Dann wird in meinem Kopf erst alles lebendig vor Gedanken, Gefühlen, und der einzige Weg, sie zu bändigen, ist für mich das Aufschreiben. Dazu kommt eine allgemeine Faszination für Sprache, gelegentlich auch Langeweile…

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

…dass ich viel Zeit für mich alleine brauche und zu viel nachdenke. Ich bin begeisterungsfähig und interessiere mich für fast alles und jeden. Die meisten Leute mag ich aber wahrscheinlich lieber, als sie es selber wissen, und bin nur zu verschlossen. Aber daran arbeite ich noch.

3. Welche Götter verehrst du?

Einer meiner frühesten Einflüsse kommt durch meinen Opa, der die Fähigkeit besitzt, allein durch Worte ganze Welten zu erschaffen und sie zum Leben zu erwecken. In seinem Umgang mit Sprache ist er mir ein großes Vorbild geworden.
Mit einzelnen Künstlern kenne ich mich kaum aus, lese aber gerne Gedichte aus der Romantik und alles, das authentisch ist.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

In erster Linie schreibe ich für mich, bekannt werden war dabei nie das Ziel. Allerdings freue ich mich über Austausch und habe deshalb vor einem halben Jahr den Blog erstellt, um zu sehen, was so daraus wird.

5. Und nun, zeige dich!

Die sieben Glücksgötter von Kuniyoshi Utagawa, Wiki gemeinfrei
Die sieben Glücksgötter von Kuniyoshi Utagawa

Wendepunkt

Ich glaubte, dich zu kennen
Jetzt stelle ich fest:
Da ist so viel mehr
Und ich war nicht da
Um es zu entdecken.

Und dann kommt diese Woche…
In der wir endlich wieder reden.

Ich fange an zu erzählen
Und du hörst zu
Ich brauche gar nicht zu fragen
Denn du antwortest genau, was ich brauche.
Die Stille zwischen uns ist nicht mehr Distanz
Sondern Vertrautheit
Meine Zweifel werden Vertrauen.

.

Das Skelett und die Hexe von Utagawa Kuniyoshi
Das Skelett und die Hexe von Utagawa Kuniyoshi

Wenn sie schweigt

Sie sitzt dir gegenüber
Und du denkst.
Denkst…
Sie hätte nichts zu sagen
Nicht dazu.
Spräche sowieso nicht gern
(Mit dir)
Falscher Ort
Falsche Zeit
Falsches Thema.
Fühlst dich unwohl
Und denkst
Bereits an das nächste Thema.

Wenn sie schweigt
Tobt in ihrem Kopf
Ein Ozean.
Zu viel zu sagen
Viel zu oft
Geschwiegen.
Worte, Gedankenberge
Ohne Anfang, ohne Ende
Ohne Erklärung
Aber sie will reden.
Wenn nicht jetzt, wann dann
Denkt sie
Und wenn nicht mit dir
Dann mit niemandem.
Ausatmen
Stille Bitte
Um einen weiteren kleinen Moment
Sätze formen
Einatmen –

Du wechselst das Thema.
Sie schweigt.
Und du fragst dich noch
Wieso.

.

Fünf Uhr morgens

Der weiße Schleier, der den Morgen umhüllt.
Schützend. Einnehmend.
Den neuen Tag blendend hell erstrahlen lässt, ohne einen Blick in die Ferne zu gewähren.
Beängstigend friedvoll.
Das vom Nebel gedämpfte Singen der Vögel aus allen Richtungen kommend.
Melodie und Lärm.
Der seltsame Geruch, als würde man trockenes Wasser atmen. Als wäre da nichts und gleichzeitig alles.
Einnehmend. Schützend. Atemberaubend schön.

.

Nichiren beruhigt einen Sturm bei Kakuda von Utagawa Kuniyoshi, Wiki gemeinfrei
Nichiren beruhigt einen Sturm bei Kakuda von Utagawa Kuniyoshi

Gewitternacht

Komm, lass uns hinausgehen
Jetzt sofort
Hinaus in die Nacht
In die wundervolle grausame Nacht
Lass sie zu unserer Nacht machen

Wir trotzen der Dunkelheit
Ohne Zögern und ohne Angst
Und saugen sie in uns auf

Lass uns die Arme ausbreiten
Und mit einem Lächeln im Gesicht
Den Regen spüren
Der durch unsere Kleidung dringt
Heute macht es uns nichts aus

Wir schauen dem Himmel beim Weinen zu

Lass uns einfach losrennen
Ungeachtet der Pfützen
Ungeachtet des Weges
Wir schauen nicht zurück
Laufen

Vorbei an schlafenden Häusern
In einer schlafenden Welt
Die Augen und das Herz weit geöffnet

Lass uns in dieser Nacht
Keinen Blick auf die Uhr werfen
Es gibt keine Zeit, keine Grenze

Wir leben jetzt
Und niemand sagt uns
Was wir tun
Oder wann wir es tun
Oder dass das so nicht geht

Also lass uns einfach frei sein

Frei atmen
Das Geräusch des Donners in uns aufsaugen
Und auf den nächsten Blitz warten
Wenn der Himmel sich entlädt
Seine zerstörerische Energie ablässt
Auf dem Weg mit dem geringsten Widerstand
Wie wir es auch tun
Und uns verstanden fühlen

Lass uns dieses eine Mal nicht an morgen denken
Oder an gestern
Nicht an die Anderen

Wir sehen nur uns
Und diese gewaltige Macht
Die die ganze Erde erstrahlen und erbeben lassen kann
Und uns zum Strahlen bringt
Wir finden uns wieder

Erst wenn es still wird
Der Horizont sich erhellt
Und auch unser Innerstes endlich zur Ruhe kommt
Dann kehren wir zurück
Noch bevor jemand uns vermisst

Dann wärmen wir uns auf
Legen uns schlafen
Und erwachen irgendwann
In unserem gewohnt gewöhnlichem Leben

Aber lass uns diese Nacht erinnern
Als die Nacht
In der wir gelebt haben

.

Licht

Zeig mir das Licht, das wieder Farbe in meine Dunkelheit bringt.
Das mir den Weg weist, den ich gehen soll.
Das mir wieder Hoffnung verspricht.

.

Morgenglanz

Im Lied der Vögel
Im Weiß der Wolken
Auf den verträumten Häusern
In jedem zaghaften Sonnenstrahl

In deinen Augen
In unserem Lächeln
In meinem Herzen

Bis das Schwarz des Abends
Das Licht verschluckt

Erloschen

.

Stunden zählen

Heute Nacht verwehren mir selbst die Sterne ihre schweigsame Gesellschaft
und wie der Himmel von Wolken gedrückt ist, findet sich auch in meinem Kopf kein klarer Gedanke.
Noch neun Stunden bis zum Sonnenaufgang!

Wo bist du?

.

Die sieben Glücksgötter diesmal von Tsukioka Yoshitoshi
Die sieben Glücksgötter diesmal von Tsukioka Yoshitoshi

Hey Gott,

In letzter Zeit…
Da bist du irgendwie nicht da.
Nicht so wie sonst
Wie es sein sollte
Nicht richtig.
Denn ich fühle mich trotzdem alleine…

Was ist passiert?
Ich habe dir doch sonst immer alles erzählt
Du hast doch sonst immer gewusst
Was ich brauche

Und ich meinte, dich zu kennen
Aber jetzt frage ich mich…
Was ist es wert
All mein… Wissen über dich
Und alle Erlebnisse
Die Versprechen
Wenn sich nichts davon zeigt

Habe ich mein Vertrauen auf das Richtige gesetzt?
Gerade schwindet es dahin
Und lange halte ich das nicht mehr aus
Zu warten.
Worauf überhaupt?
Dass sich etwas ändert?
Ich bin am Verdursten!

Natürlich, du hast nie gesagt
Alles wäre einfach
Mit dir.
Aber wo bleibt deine Hilfe?
Und so zitiere ich lieber Coldplay als Hillsong
Denn niemand hat mir je gesagt
Dass es so schwer sein würde
Und ich… würde gerne wieder zurück
Auf den Anfang
Es erneut versuchen
Aber das schaffe ich nicht ohne dich.

Und du…
Warst irgendwie nicht da in letzter Zeit

Oder ich war nicht da.
Und du warst und bist
Da, wo man dich immer findet
Und vielleicht habe ich es nur verpasst
Danach zu fragen
Als ich Hilfe brauchte

In letzter Zeit…
Da war ich irgendwie nicht da.
Nicht bei dir
Wie ich es mir vorgenommen hatte
Und auch nicht ganz bei mir
Denn du hast gewartet
Und ich habe gezweifelt.

.

Hatsuhana unter dem Tonosawa-Wasserfall von Utagawa Kuniyoshi, wiki gemeinfrei
Hatsuhana unter dem Tonosawa-Wasserfall von Utagawa Kuniyoshi

Fallen lassen

Ein kurzer Abschied
Das Klicken der Haustür
Erlösende Stille im Haus
Endlich alleine
Suchen im Regal
Dann das Kratzen der Nadel
Auf der Platte
Töne
Vertraut
Ein sicheres Zuhause
Leises Klopfen zum Takt
Schritte
Arme ausgebreitet
Durchs Zimmer wirbeln
Fallen lassen
In den Moment

Mädchen in Rot schreibt auf:
>>> http://maedcheninrot.wordpress.com

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>>> Die bisherigen Teilnehmer

 

Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

35 Kommentare zu „Montagslyriker – Mädchen in Rot“

  1. Ich weiß gar nicht genau wie ich meine Gedanken, welche ich gerade durch das Lesen hier bekommen habe, niederbringen kann.
    Erstmal: wow.
    Es lässt sich gut lesen und gut verstehen und doch steht auch noch so viel zwischen den Zeilen, dass ich meine Gedanken erst sortieren muss. Und doch sind deine Gedichte so lebendig. Sofort erscheinen die Bilder mir dazu im Kopf und sofort ist es, als könnte ich dich sehen.
    Danke, dass du deine Worte mit uns teilst!

    Gefällt 4 Personen

  2. „Der seltsame Geruch, als würde man trockenes Wasser atmen. Als wäre
    da nichts und gleichzeitig alles.
    Einnehmend. Schützend. Atemberaubend schön.“

    Das IST atemberaubend schön und ich meine die Worte von dieser Autorin. Ich muss ja gestehen, dass ich dachte, ich kenne die Texte von dem „Mädchen in Rot“, aber ich kannte sie nicht, nicht in dieser Qualität und Ausprägung. Das hat mich jetzt ein wenig überfallen und umgehauen, was hier an nachdenklicher Tiefe und in gewählten, treffenden Worten zu lesen steht.

    Hier werden Gefühle eins zu eins aufs Papier gebracht, greifbar und nachzufühlen, originell in der Form, im Rhythmus, im Inhalt. Man ist an Gespräche erinnert, die sich langsam entwickeln, mal nur Worte ausstoßend, mal Sentenzen, mal Satzfetzen, stockend, innehaltend und dann wieder vehement anklagend oder resignierend. So sind Gebete und Gott ist auch ein Thema, das sich widerholt:

    „Zeig mir das Licht, das wieder Farbe in meine Dunkelheit bringt.
    Das mir den Weg weist, den ich gehen soll.
    Das mir wieder Hoffnung verspricht.“

    Ein Mensch ringt um Sinn, um Liebe, um Anerkennung, um seinen Platz in der Welt. Hoffnung steht neben Verzweiflung. Zweifeln steht neben Vertrauen, Mut neben der Angst.

    Das sind authentische Texte, für die sich der literarische Montag lohnt. Da ist die Woche gerettet. Wieder ein Höhepunkt, wieder ein großer Mensch, der einem Gedichteband bei einem Verlag alle Ehre machen könnte und der Mensch steht erst am Anfang. Wir dürfen uns auf Zukünftiges freuen. Da seh ich großes Potential, weil da noch vieles unausgesprochen schlummert in einer wahren Seele, die leidet und doch so vom Licht der Erkenntis und der Suche nach Wahrheit durchdrungen scheint.

    Danke an alle Beteiligten. PPschen 🙂

    Gefällt 3 Personen

  3. PS: Ich hab mir alles nochmal angeschaut und muss auch sagen: Das ist wieder mal von Terence herausragend dargebracht mit den Bildern usw. Ein Höhepunkt auch an der Gestaltung eines Internet-Auftritts. Du solltest Webdesigner werden oder Mediengestalter: Da hast du das richtige Händchen. Das sah ich schon, als du die Schrift für mein Buch-Cover ausgewählt hast 🙂

    Nochmal danke dafür. Ich hab mir die Schrift unter Fonts geladen.

    Gefällt 2 Personen

  4. Da hast du recht! Mehr kann man dazu auch wirklich nicht mehr sagen. Ich schließe mich der Meinung hier einfach an und hoffe, dass mir das nicht übel ausgelegt wird. Vielleicht aber doch noch meine persönliche Notiz an die Autorin und um einfach auch diese zu loben: Meinen Respekt! Ich finde es wirklich sehr ergreifend und sehr berührend!
    Auch an dieser Stelle nochmal ein Lob an die Initiatoren: Ein wundervolles Projekt und eure Mühe in allen Ehren.

    Gefällt 3 Personen

    1. Moin! Soll ich die gestern bei dir in Kommentaren abgedrucken trotzdem nochmal mitschicken? Macht mir nix aus: Ich frag nur. Du könntest die Kommentare von mir mit den Gedichten natürlich auch löschen, damit die Poems nicht schon vorher von zu vielen Leuten gelesen werden: Soll ja der Weihnachtshammer werden, aber ich überlass es dir, weil du in der Beziehung das feinere Gefühl hast.

      Gefällt 1 Person

  5. So viel Gefühl, so sehr bedacht und in einer kunstvollen Sprache scheint dir eine Selbstverständlichkeit zu sein, es wirkt sehr natürlich. Die Sprache ist ein Teil von dir. Du hast einen ganz besonderen Stil.
    Ich bin berührt, bin beeindruckt…

    Es ist wahrlich ein tolles Projekt, was hier entstanden ist.

    Gefällt 2 Personen

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