Sturz aus dem Paradies – fränkisches Heimatgedicht

Gott und Frau Jean-Auguste-Dominique Ingres
Terence Horn in Würzburg

An Weihnachten kehr ich heim, zu den Meinigen
und erinnere mich an meine Stadt:

1988 kam ich endlich raus. Zumindest vormittags kehrte ich meiner Kleinstadt den Rücken und besuchte fortan eine Schule in Würzburg. 16 Jahre alt und ein „schwieriger Schüler“, der unendlich froh war, was neues zu erleben. Zum Beispiel begann die Schule fortan um neun, da unser Schulbus meist Verspätung hatte und wenn nicht, behaupteten wir es einfach. Von Oktober bis April war der „Schnee“ schuld, dazwischen lagen die Ferien und andere Ausreden. Die geschenkte Stunde verbrachten wir in den Cafés der Stadt, tranken Cappuccino und schlugen die Zeit tot. Ab der zehnten Klasse schenkte ich mir auch die anderen Stunden und wurde zum selten gesehen Gast in der Schule und zum Stammgast in den Cafés und Kneipen. So begann meine Liebe zu Würzburg. Der Stadt, die mich fortan nicht mehr loslassen sollte. Nach der Schule absolvierte ich eine Lehre zum Großhandelskaufmann bei einem damals weitbekannten Schraubengroßhändler in der Innenstadt. Dort sammelte ich genügend Stoff für unzählige Kurzgeschichten und ein Kapitel in meinem Roman „Lucia – Mein liebster Wahnsinn“. Ich hing so viel in Würzburg ab, dass ich auch gleich hinziehen konnte. Mit zwei Freunden bezogen wir eine kleine 3-Zimmer Wohnung in der Innenstadt und ab da wurde es wild. Unter der Woche hingen wir in der Tomate ab, im Kult oder tanzten im Laby und am Wochenende kam keiner am Rockpalast vorbei. Zumindest solange bis im Airport Techno auflegt wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Auf ein Cocktail
in die Tomate
Zwei Bier im Kult
selbst am Nebentisch
lachten sie sich kugelrund

Den Reim müsst
ihr verzeihn
mein Herz
war hier daheim

Fürs Leben gern
ein Teil von Dir
trennte uns die Geldgier

Im Schwabenland
malochen geh
konnt ich nicht mehr
die Festung sehn.

Heut bereu ich
denk an dich zurück
an die schöne Zeit
und wünsch mir mein
Würzburg
zurück.

Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

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