Unverdaute Wortfesten vor Heiligabend – Eine eiskalte Kurzgeschichte

Kopf von einem Mann

Wie erklären,
für was kein Vergleich existiert?

Was ist ein Leben wert,
für jene, die den höchsten Gipfel erklommen
und ins dunkle Tal zurück steigen?

Mit Lichtgeschwindigkeit aufgestiegen,
fällt er tiefer und tiefer.

Kein Mensch ist erleuchtet,
weil Leben nicht unendlich ist.

 

Ein gutes Gespräch

Die bisherigen Gespräche waren Desaster. Alles andere wäre gelogen. Entweder war ich zu bekifft oder mein potentieller Chef derart daneben, dass ich mich nicht zusammenreißen konnte. Was für Gestalten in gehobenen Positionen durch die Büros geistern, mein lieber Scholli.

Heute scheint’s besser zu laufen. Eine gutaussehende Sekretärin, die ich spontan „Moneypenny“ nenne, bittet mich Platz zu nehmen.
„Es dauert noch ein wenig. Darf ich ihnen vielleicht etwas anbieten oder wollen sie mich zu Hause vernaschen?“ fragt Moneypenny ganz höflich.
Ich lächle leicht schwachsinnig und nicke mit dem Kopf. Wahrscheinlich sprach sie von Wasser und Fruchtsäften.

Fünf Minuten später sitze ich in einem dieser sterilen Verhörzimmer und rechne fest mit einer gepflegten Runde Waterboarding. Vor mir ein genormter und beliebig austauschbarer Abteilungsleiter in einem lächerlich schäbigen Anzug. Neben ihm eine sogenannte Personalverantwortliche, die tatsächlich keine andere Funktion erfüllt, als solche Gespräche zu führen. Eine psychologisch geschulte Fachkraft, mit verwelkten Gesichtszügen und dem unwiderstehlichen Charme einer Beutelratte.

Dieser Betriebsdrachen verfügt über die Sozialkompetenz seines Gefrierbeutels und sollte man mich vor die Wahl stellen, lebenslang auf einer einsamen Insel mit Margareth Thatcher oder diesem Eisberg, ich würde die eiserne Lady nehmen und keinen Tag bereuen.

„Herr Wu, wo sehen sie ihre Stärken und ihre Schwächen?“ fragt mich der psychologisch geschulte Eiszapfen.
„Meine Stärke sehe ich ganz klar an der Bong. Ob Glas oder Plastik, ich hab einen Durchzug wie kein Zweiter. Northern Light, Purple Haze, Roter Libanese … bei meinen Materialkenntnissen kann die Konkurrenz gleich einpacken. Mit verbundenen Augen degradiere ich diese Amateure, aber so was von.“ gedenke ich zu berichten, tatsächlich erzähl ich irgendwas Nichtssagendes von wegen Durchhaltevermögen und Teamstärke, worüber sich beide fast kindisch freuen. Hm, läuft gar nicht mal so schlecht, denk ich mir, da haut Frosti dieses Ding raus. „Herr Wu, wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Diese hirnlose, in eine ungewisse Zukunft gerichtete Frage schmeißt mich aus dem Gebäude, einmal über den Parkplatz, direkt aus der Stadt. Chancenlos jemals wieder zurück zu finden, sehe ich einzig diese verzerrte Fratze. Ein Albtraum, von dem ich mich befreien muss. In meiner Panik halte ich mir die Augen zu und ignoriere ihre Anwesenheit. Zumindest ein paar Sekunden, Frostbeule ist nämlich aufgestanden und quatscht irgendwas von falscher Einstellung und Drogenproblemen. Ich lach mich halb tot und falle vom Stuhl. Auf Knien robbend bitte ich den Abteilungsleiter um Gnade.
„Pack das weg! Bitte, nimm es weg!“
„Herr Wu, beruhigen sie sich! Was sollen wir wegnehmen?“
„Dieses Gesicht! Bitte, nehmen Sie es weg!“  

Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

6 Kommentare zu „Unverdaute Wortfesten vor Heiligabend – Eine eiskalte Kurzgeschichte“

  1. Lieber Terence,
    ich bin leider nun schon länger nicht mehr hier gewesen, was ja leider vor allem an meinem PC lag.
    Ich hoffe sehr, dass es dir gut geht!
    Ich finde du hast das toll geschrieben und freue mich auch, wieder mehr von dir lesen zu können in kommender Zeit

    Gefällt 1 Person

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