Montagslyriker – Architekt der Wörter

Schlittschuhfahren irgendwo in Holland

Deine Worte widerstehen schnelllebiger Versuchung,
verlaufen sich im goldenen Thronsaal geköpfter Herrscher
im Grunde sind sie fröhlich und frei.

Ein solides Haus im hohen Norden, sturmerprobt auf Stein gebaut
Ebbe und Flut, die alten Neider, die zu viel wissen
Lang lebe die Heimat, ewige Sonne am verfaulten Himmel
der in Flammen steht, während der heilige Traum am Horizont vergeht
.

Ein geerdeter Mensch, der hinschaut, denk und glaubt
Ein Architekt, der planvoll Wörter zueinander findet
Bleibt nur noch die Frage:
Kaffee oder Tee?  

Ewald Eden der Architekt bittet zu Tisch.
Guten Appetit, Prost und schönen Abend!
>>> https://worthaus.wordpress.com/

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Ich kann es nicht benennen – die Zeit war einfach reif dafür

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

Wer mich kennenlernen will, der muß sich auf eine lange Zeit einstellen. wer dann irgendwann meint mich zu kennen, der sollte sich nicht wundern, dass er nur ein kleines Teilchen von mir kennt.

3. Welche Götter verehrst du?

Ich verehre keine Götter – auch nicht wenn sie als Künstler gewandet daherkommen – dafür habe ich den Menschen im Laufe meiner Jahre zu oft unter die Röcke schauen können)

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Von Anbeginn habe ich im Grunde gar nichts getan – irgendwie sind liebe Menschen in der Welt auf mich aufmerksam geworden. Irgendwann wurden meine Texte dann zu Selbstläufern (mittlerweile 22 Buchtitel im Handel)

5. Und nun, zeige dich!

Text: Ewald Eden
Musik und Gesang: Ralf Schmacker

 

Lebendige Erinnerung

Meines Glückes schönste Stunden
in meiner Jugend junger Zeit
hab ich in Ostfriesland gefunden
mit dem liebsten Mädchen als Wegbegleit’
 
Vor den Deichen auf einer der Inseln
da wo Himmel und Meer so unendlich frei  
lebten wir einen Sommer der Liebe
auf der Perle der Nordsee – auf Norderney  
 
Nie habe ich schönere Bilder gesehen
als am Fuße des Leuchtturms
in seidiger Nacht
nie ist mir schöneres Erleben geschehen
als unter des strahlenden Turmkranzes Pracht
 
Ich hab’ mich verloren in innigem Beben
im Takte der klopfenden Herzen
ich habe geglaubt auf Wolken zu schweben
fern aller irdischen Schmerzen
 
Ich höre noch heute das Flüstern des Windes
ich höre noch heute das Rauschen der See
ich spüre noch heute ein Sehnen gelindes
wenn ich im Denken an damals
durch Norderneys einsame Dünen geh’
 
Ich sehe noch heute am Strand uns’re Zeichen
von lustvoller Liebe und heißem Begehr
sie haben sich geweigert der Zeit zu weichen
sie sind ein Teil unserer Insel
sie sind ein Teil Norderneys  
im ewig brandenden Meer
 
© ee 2005  

Mien Haartblood

Oostfreesland – miene Heimoat  
wat büst du so moi
du büst un blivvst mien hilliged Land
ik kann heel nich mit Worden verkloarn
wat mi ümdrifft wenn ik an di denk
ik leev di – ik hevv di so geern
de Gröönte, dat Moor un de Strand
ünner de Hääven de lücht as een Steern
bün blied dat ik in Oostfreesland gebor’n
dat is för mien Lääven dat gröttste Geschenk
liekers wor in de Welt ik ok bün
liekers wor ik mien Joahren verlääv
aal dat dor buten  
dat is veelsto minn
aal dat dor buten  
ik geern för Oostfreesland hengääv
de busige Stiem boaben up d’ Diek
de sandige Padd noa d’ Füürtoorn andoal
de Korben dor  buten in d’ Schliek
de dor sitten up de knustige Eekenpoal
all dat geit dör mien Haart un mien Seel
ik seech de Peerblööm’n geel över de Penner lüchten
wenn ik mi dör de groode Stadt quäl
un wünsch mi blods eens
noa Oostfreesland to flüchten
 
© ee 2005

Der Glaube

Ich glaube an Gott den Allmächtigen
den Schöpfer des Himmels und der Erde
so  hört man es sagen in vielen Kulturen
von Männern die vorgeben zu wandeln
auf des gekreuzigten Gottessohn Spuren
sie reden daß jedem vergeben werde
wenn er sich nur seiner Sünden bekennt
und reuig verspricht menschlich zu handeln
doch kaum daß die Sünder es ausgesprochen
und haben Vergebung erhalten
haben sie schon wieder Gebote gebrochen
und so bleibt es alles beim alten
man mästet weiter das goldene Kalb
poliert weiter seine glänzenden Schätze
man hat ja gebeichtet und gerade deshalb
stellt man erneut seine Netze
um Beute zu machen  die man nicht braucht
um Dinge zu horten die man nicht benötigt
um Konflikte zu pflegen die schon lange verraucht
um Menschen zu knechten die nicht ehrerbötig
und alles passiert nur dem Himmel zur Freude
und alles geschieht nur weil man ja glaubt
daß man wertvolles Gut vergeude
wenn man dem Armen  
nicht auch noch das letzte
Hemd raubt  
 
© ee 2005

Vater unser, der du bist im Himmel
so trauen sie sich zu sagen
die Mächtigen hier unten im Erdengewimmel
die Mächtigen, die um seine Meinung nicht fragen
wenn sie vernichten und wenn sie töten
wenn sie ihr schreckliches Werk verrichten
ohne dabei vor Scham zu erröten
 
Geheiligt werde dein Name
erklingt es aus ihren schartigen Kehlen
wird reklamiert wie Seifenreklame
wenn sie lächelnd den Mord an Völkern befehlen
 
Dein Reich komme
klingt es wie Stöße aus Himmelstrompeten
wenn sie wie scheinbar ergebene Fromme
das Recht auf Leben mit Füßen getreten
 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden
hört man sie lauthals verkünden
nie hört man die Frage
was soll aus all den Opfern denn  werden
den Opfern der menschlichen Sünden  
 
Unser täglich Brot gib uns heute
bitten sie fordernd mit randvollem Munde
mit Händen die triefen von blutiger Beute
die sie geschlagen in weltweiter Runde
 
Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern
klingt es wie Hohn und leeres Geschwafel
von ihrer gedeckten, für die Armen aber verbotenen, Tafel
 
Und führe uns nicht in Versuchung
tönt es begleitet von höhnisch Gelächter
als Gipfel der Gottesverachtung
aus den Kehlen der grausamen Schlächter
 
Sondern erlöse uns von dem Übel
dem Übel, das ringsum die Erde verschandelt
fordern sie in lautstarkem Chor
darum haben sie schon mal die Geschöpfe behandelt
mit Uran und Chemie und ätzendem Chlor
 
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit
mit diesen untertänigen Worten
tun sie dann ihre Gehorsamkeit kund
Verwüstung zu schaffen an allen Orten
als Grundlage für einen höllischen Bund
 
Amen
schallt’s dann durch Kirche und Tempel
laut und vernehmlich wie Herrschers Punktum
knallt wie bekräftigend Stempel
unter ein Urteil – und sei’s noch so dumm
 
© ee 2005 

Die zehn Gebote

Ich bin der Herr euer Gott
so klang es grollend vom Berge
aus weißer und blitzender Wolke
keiner von euch sei des anderen Scherge
bestimmte der Herr seinem Volke
 
Drauf sah jeder  
das erste Gebot  
mit glühendem Finger in den Stein getrieben:
Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben
stand dort sichtbar für alle  
und für die Ewigkeit festgeschrieben
 
Die Glut schmolz weiter in den Fels Zeichen und Runen
als zweites Gebot
Ihr sollt meinen Namen nicht entehren
ich werd’ euch nicht das Lügen  
das Fluchen und Trügen verwehren
das braucht ihr als schwaches Menschengetier
doch meinen Namen den haltet gefälligst da ’raus  
sonst werd’ ich euch strafen
mit Donnergebraus
 
Der Finger schrieb ohne Halt
mit krachen und zischen  
das dritte Gebot
Gedenket, daß ihr den Sabbat heiligt
drum laßt euch am siebenten Tage der Woche  
nicht von mir bei der Arbeit erwischen
 
Ohne Pause erschien schon  
das vierte Gebot
Ihr sollt eure Mütter und Väter ehren
und das – betrachtet dies als eine Warnung  
gilt sowohl in der Freude wie auch in der Not
 
Das fünfte Gebot
Ihr sollt nicht und niemals töten
erschien als tiefes feuriges Mal
wer es dennoch tut – außer in eigenen Nöten
der wird enden in endloser Qual
 
Ihr sollt eine Ehe nicht brechen
so lautet  
das sechstes Gebot
doch es ist nur ein Bruch
wenn man von mehr noch kann sprechen
als von gemeinsam gegessenem Brot
 
Das siebte Gebot
Ihr sollt nicht stehlen
brach sich zitternd in das Gestein
und außerdem – und das merkt euch gut
sollt ihr meine andern Geschöpfe nicht quälen
auch wenn sie euch unwichtig scheinen und klein
denn wenn ihr es macht komm’ ich gehörig in Wut
 
Es erschien auf der steinernen Tafel  
das achte Gebot
Ich verbiet’ euch falsch Zeugnis wider euren Nächsten und Jedermann
drum hütet die Zunge zu eurem Besten
sonst krieg ich euch sicher irgendwann ran
 
Ihr sollt nicht begehren des Nächsten Weib
war dann als vorletzt’
das neunte  Gebot
gerichtet an alles was Mann ist vom Leib
und wenn ihr’s versucht dann sehe ich rot
 
Das flackernd und springend erlöschende Feuer
schrieb noch  
das zehnte Gebot:
Ihr sollt nicht begehren eures Nächsten Hab und auch Gut
denn ich werde zum strafenden Ungeheuer
für jeden von euch der es trotzdem tut  
 
© ee 2005

Knipsen

Zeitfesthalter – Bildberichter
Motivgestalter – Filmbelichter
was von diesem trifft wohl zu
denk ich häufig so bei mir
wenn ich Urlaubsmenschen seh’
die mit Technik dicht behangen
knipsend vieles Zeug einfangen
kann’s mir dann oft nicht versagen
obwohl – es fällt mir manchmal schwer
nach ihres Machens Sinn zu fragen
oder nach ihr’s Tuns Begehr
große Augen schau’n mich oft an
erst zögernd
doch recht fließend dann
erklärt man mir mit viel Gehabe
und wachsender Begeisterung
knipsen – das sei eine Gabe
aber das verstünd’ ich nicht
ich sei wahrscheinlich noch zu jung
man hätt’ daheim in vielen Kästen
oder auch in Schuhzeugschachteln
Bilder von vieltausend Festen
als bleibende Erinnerung
an Onkels, Tanten und auch Reisen
an manche Jagd auf fette Wachteln
zum ausstopfen  
und zum verspeisen
wenn ich alles das gehört
weiß ich daß Ich nur ein Tor
der beim knipsen sie gestört
und bin so schlau wie auch zuvor.
© ee 2005 

Wegsehen  

Die Sonne den nasskalten Morgen schleiert
von blattlosen Zweigen tröpfelt der Tau
hoch vom Kirchturm ein Glöcklein beiert
die  Strasse lang hastet gebeugt eine Frau
die Haare gebunden – den Kopf hüllt ein Tuch
sie verhält ihren Schritt
sie bückt sich – sie scheint was gefunden
ein Schrei teilt die Stille
es fliegt was weit fort
sie verliert ihre Brille
und flieht diesen schrecklichen Ort
in den Staub des Weges war etwas gebunden
das ihrem verschleppten Manne gehört
man hat ihn gefoltert
man hat ihn geschunden
man hat ihre beiden Seelen zerstört
und alle haben sie zugesehen
die Nachbarn die Freunde  
das schweigende Dorf
sie alle ließen das Unrecht geschehen  
haben das Unterst’ nach oben gekehrt
 
© ee 2005 

Die Entstehung des Tanzes

An der Welten Anfang
in der Nacht zwischen Tag sechs und Tag sieben
nachdem er alles geschöpft und geschaffen
fühlte der Herrgott sich aufgerieben
und doch spürte er irgendwo  
eine Lücke noch klaffen
irgendwas mußt’ er den Menschen noch geben
irgendetwas zur Freude
damit kein’s seiner Kinder  
auf dem Weg durch das Leben
die Zeit mit Nichtstun vergeude
als er so dastand
beschäftigt mit Denken
betrachtend sein herrliches Ganzes
begann er im Rhythmus die Füße zu lenken
und diese Bewegung war die Schöpfung des Tanzes
es war die Krönung von sechs Tage Tun
er sah es als Lohn für die Plage
im Tanze kann Seele d’rum wunderbar ruh’n
und schenkt Kraft für neue sechs Tage
 
© ewald eden  2005  

Der alte Klon …

Das Schicksal ihm das Herz zerbricht
das Aug’ voll heisser Tränen
er zeigt uns nur sein Klonsgesicht
mag sich der Trauer schämen
 
Das Publikum im großen Zelt
das sieht ihn nur von aussen
er gaukelt ihnen bunte Welt
ob drinnen oder draussen
 
Klon ist er aus tiefster Seele
er braucht die heisse Zirkusluft
ohn’ sie ist ihm als ob was fehle
als ob ihn die Manege ruft
 
Er führt die Menschen durch die Stunden
hält ihnen auch wohl Spiegel vor
als Pausenfüller in den Runden
gibt er sich oftmals auch als Tor
 
Doch ist der Vorhang denn gefallen
das Licht verlöscht im großen Rund
mag er sich in die Laken krallen
weint sich gar oft die Augen wund
 
Das Liebste wurde ihm genommen
die Einsamkeit ihn ständig quält
die Tränen sind zu Stein geronnen
die Stunden sind es die er zählt
 
Doch wenn sich dann der Vorhang teilt
das Licht geht an – die Menge johlt
hier draussen jetzt als Klon er weilt
und hofft daß ihn sein Herrgott holt
 
© ee 2005  
 

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„Lasst uns wenigstens den Weltuntergang verhindern. Es ist fünf vor zwölf, und wir haben nicht mehr viel Zeit.“
Barack Obama

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Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

11 Kommentare zu „Montagslyriker – Architekt der Wörter“

      1. Eine Bitte hätt‘ ich dann noch … jedes Wort von jedem meiner Leser erfreut mich sehr und mehr – auch wenn es irgendein Mißfallen an der einen oder anderen kritischen Äußerung von mir sichtbar werden läßt – für den Fall hat mein Schöpfer mich mit einem recht breiten Seelenkreuz ausgestattet. Nur mit dem Zuteilen von „Lob“ fürchte ich dann vielleicht nicht so recht umgehen zu können, in dem ich zu einer Größe mutiere die mich durch keine Tür mehr passen läßt …

        Gefällt 2 Personen

  1. Das Wort: Tiefe – bekommt einen Sinn
    Das Wort: Liebe – kommt aus dem Herzen
    Das Wort: Freude – soll schenken
    Das Wort: Friede – hat große Bedeutung
    Das Wort: Güte – findet sich hier
    Das Wort: Humor – läßt ein Lächeln zu

    Ewald’s Worte fließen im Strom der Zeit …
    ich wünsche viele Leser – denn diese Worte sind ein Geschenk
    Seele

    In diesem Sinne
    Ge – DANK – en
    von ele

    Gefällt 1 Person

      1. Hallo Nachtuul,
        Ich freue mich dich hier begrüßen zu dürfen! Doch trotzdem macht es mich so eben glücklich wie traurig, dass wir so viele Gemeinsamkeiten haben. Denn das ist gar nicht einfach.
        Aber ich hoffe sehr, vom ganzen Herzen, dass du dein Leben leben kannst! Und dass du deinen Weg finden wirst.
        Liebe Grüße,
        Jana

        Gefällt 1 Person

  2. In mir drin wächst Unbehagen
    ich fühle die Stacheln schon unter der Haut
    in mir drin wächst das Erwarten
    auf den Moment
    in dem das Eis um mich taut
    in mir drin wächst die Befürchtung
    daß ich dann alles zerstöre
    in mir wächst die Erwartungshaltung
    daß ich das auch noch beschwöre
    ich spüre ich freu mich auf splitternde Knochen
    ich freu mich auf blutende Nasen
    ich merke wie mein Hass kommt ins kochen
    und beiße vor Wut in den Rasen
    ich fühl’ meine Ohnmacht und balle die Hände
    ich schlage mir selbst ins Gesicht
    ich seh um mich her nur haushohe Wände
    und nirgendwo seh’ ich ein Licht

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