Montagslyriker – Zerrissene Gardinen in klarer Saphirnacht

Frau im japanischen Kimono

 

Ein Hurra auf die Schönheit, die ihr liebstes Wort in zarte Farben hüllt.
Im roten Wüstensand fand ihr Herz ein schattiges Plätzen, gefühlt mit guten Freunden, verdienter Ruhe und weiter Sicht.

Die Malerin, Lyrikerin und Fotografin
Sibylle Sophie entstaubt die Montagslyriker

>>> http://www.Sibylle-Sophie.de

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Die Muse, und auch ein von Schönem und Traurigem, auch von Schmerzlichem !, übervollen, ja überquellenden Herz !

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

Ich liebe Arizona, New Mexico, Utah, Nevada, Colorado. War seit 1985 dort sehr oft unterwegs in den Reservaten. Hopi ist ein Zuhause. Außer dass ich schreibe, male ich auch noch viel, und mache Fotos anderer Art. Bei meinen vielen Vernissagen las ich auch meine Gedichte, Erzählungen, und Texte aus meinen Büchern. Ich mache sehr gerne und allermeist in den letzten Jahren immer wieder Benefiz-Veranstaltungen – Ausstellungen, Lesungen, Vernissagen.

Ich bin gesellig, doch lieber ist mir die Ruhe, die Stille in der Natur. Weite Sichten, Meer, Inseln.

3. Welche Götter verehrst du?

Monet, der Maler, und H. Hesse, der Dichter und Schriftsteller sind meine Liebsten. Doch auch Gustav Klimt, sowie die Impressionisten allesamt liebe ich sehr. Alle klugen Menschen, die etwas zu sagen haben, verehre ich.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Um meine Werke (Malereien, Bücher, Fotografien anderer Art) unters Volk zu bringen und bekannt werden zu lassen, mache ich Lesungen, veröffentliche in Facebook und auf meiner Homepage – Bücher, Ausstellungen.

5. Und nun, zeige dich!

@ Sibylle Sophie
@ Sibylle Sophie

Saphirnacht

Saphirnacht – Eisjuwel –
kalt und klar und still.

Tiefgefrorene Geräusche klirren,
als ob sie zerbrächen in der Stille –
einsam und spitz wie Diamantnadeln,
kurz und schmerzhaft,
durchbohren sie die Nacht – die Stille.

Milchigtrüb wird der Saphir. –
An der Grenze zum Morgen
höre ich Schneeflocken leise schweben
durch die Stille hin zur Frühe. –

… Selbst das Geräusch der zarten Schneeflocken
ist zu laut in dieser blauen, göttlichen,
sanften, weiten Stille –
zu laut für meine Seele, die schlafen will.

…..  ..  …..  ..  …..

Hitze

Glühend heißer Junitag. Sommerhitze.
Schnell laufe ich barfuss über die Gartenwege
hin zu den Rosen, will sie tränken.
Verbrenne meine Fußsohlen auf den Steinplatten.

Am Spätnachmittaghimmel
formen sich Wolken zu Muscheln,
ziehen rosa und orange, weiß und dunkelgrau,
ziehen rasch übers Firmament.
Es riecht nach Gewitter.
Die Luft ist hochschwanger, geladen, still,
doch ist es keine friedvolle Stille.

Taubeneierhagel zerschlägt meine Wiese,
knickt die Hortensien.
Ein Wasserfall stürzt hernieder,
die Straße wird zum Fluss,
der Garten wird zum See.

Die Hitze wird unerträglich.
Es dampfen die Straßen.
Heiß-feuchte Luft lässt sich nicht atmen.
Amazonas.

…..  ..  …..  ..  …..

Zerrissene Gardinen

Vollmond auf Fuerte,
Sturmnacht auf dem Meer,
im Silberschein badet die Zeit.
In weit geöffneten Fenstern
flattern Gardinen,
winken den Träumen nach,
die westwärts ziehen.

Träume sind die Freiheit selbst,
sie reisen in alle Welt,
durch die Zeit, durch das Leben.
Gardinen flattern,
und winken den Träumen nach,
doch bleiben sie hängen auf der Stange,
um zu zerreißen, weil sie zu lange flatterten.
Zerrissene Gardinen bleiben zerrissen,
zumal wenn ein kleines Stück Stoff
mit den Träumen flog.
Zerrissene Gardinen
kann man nicht reparieren.

…..  ..  …..  ..  …..

Gemälde mit kreis
@ Sibylle Sophie

Wie eine Muschel am Strand

Wie eine Muschel am Strand,
tausende Jahre schon dort.
In tausenden Jahren zu Sand,
spült sie das Meer wieder fort.

An den Strand gespült,
wieder zurück ins Meer gezogen.
An die Klippen geworfen,
fast ertrunken in den Wogen.
An Land gespült vom Meer,
tausende Jahre schon her.

An Land gespült.
Von der Sonne gebleicht.
Vom Regen gewaschen.
Vom Sturm geschliffen.
Im Schnee erfroren.
Mit Füßen getreten.
Vom Sand zugedeckt.
Tausende Jahre geschlafen.

Wie eine Muschel am Strand,
tausende Jahre schon dort.
In tausenden Jahren zu Sand,
spült sie das Meer wieder fort.

…..  ..  …..  ..  …..

Strandläufer
Klippenspringer
Muschelsucher

Strandläufer,
Ständig in Gefahr zu ertrinken
In der Schönheit des Augenblicks,
In den Farben des Meeres.

Strandläufer,
Ständig in Gefahr zu ertrinken
In der Flut der Gefühle,
In den Wellen der Trauer.

Klippenspringer,
Ständig in Gefahr zu zerschellen
An den Klippen des Lebens,
An der Schwere der Stunden.

Muschelsucher,
Alle Zeit bereit zu finden
Perlmuscheln an den Stränden, an den Klippen.
Perlen.

…..  ..  …..  ..  …..

Gemälde mit viel Rot
@ Sibylle Sophie

Zärtliche Dämmerung

Zart kommt erstes Licht,
zerbrechlich ist noch die Dämmerung,
zu schläfrig noch der junge Tag,
um sich für Wetter zu entscheiden.

Zart spüre ich deinen Atem an meinem Ohr,
zerbrechlich, noch in Träumen,
sind unsere Gefühle,
zu schläfrig unsere Gedanken,
um sich für Klarheit zu entscheiden.

Zart sind die Geräusche von draußen,
zärtlich streichelt deine Hand mein Gesicht,
zart berühre ich deine Haut,
zärtlich beginnen wir den Tag mit uns.

…..  ..  …..  ..  …..

Deine Hände

Wie lieb ich deine Hände,
die Momente, wenn sie mich berühren,
ihr Klavierspiel auf meiner Haut.

Wie lieb ich deine Hände,
wenn sie, tastend, die meinen suchen,
und gefunden, sie dann umschließen.

Wie lieb ich ihre Wärme,
ihre Schönheit,
ihre Güte.

Wie lieb ich deine Hände.
Wie lieb ich dich.

…..  ..  …..  ..  …..

Zur gleichen Zeit

Zur gleichen Zeit, als ich das Lied der Lotosblume sang,
erbebte nachts die Erde,
fielen herab die Sterne,
weinten Frauen um ihre Männer,
verloren Kinder ihre Väter,
verlor der Frieden seinen Sieg.

Zur gleichen Zeit, als ich das Lied der Lotosblume sang,
verhungerten Menschen auf den Straßen,
erlitt das Leben tausend Qualen,
fielen die Regeln der Schöpfung
allem Wahnsinn zum Opfer,
verlor die Liebe ihren Sieg.

Zur gleichen Zeit, als ich das Lied der Lotosblume sang,
sang die Gewalt das Lied der Macht,
tanzte das Geld mit der Bestechlichkeit,
fielen die letzten Hüllen der Scham,
küssten sich Hass und Neid,
verlor die Wahrheit ihren Sieg.

Zur gleichen Zeit, als ich das Lied der Lotosblume sang.

…..  ..  …..  ..  …..

Die Merkwürdigkeit nimmt ihren Lauf

Es schneit auf Fuerteventura,
und Schnee liegt auf den Palmen in der Sahara.
Ein Pinguin in der Antarktis legt seinen Frack ab,
und läuft im Unterhemd umher, obwohl es Sonntag!
Himbeereis spuckt ein Vulkan in der Südsee,
Fische werden gekocht im Eismeer,
und Eisbären trifft der Hitzschlag.

Die Merkwürdigkeit nimmt weiter ihren Lauf:
Die Menschen hören zu streiten auf!
Sie lassen die Waffen schweigen,
und bauen statt dessen Geigen.
Die Menschheit wird nicht mehr geklont.
Das Ei nicht mehr im Reagenzglas befruchtet.
Der Erde Ressourcen werden geschont.

Wenn es schneit auf Fuerteventura,
wenn Schnee liegt auf den Palmen in der Sahara,
und ein Pinguin zieht seinen Frack aus…

…..  ..  …..  ..  …..

Seerosenbäume

Ich liebe die Zeit im frühen Frühling,
wenn in den Gärten und in den Parks
die knorrigen Seerosenbäume wieder erblühen.
Magnolienrot und weiß leuchten die Blütenkelche.
Langsam, vorsichtig nur, denn die Nächte sind noch kalt,
öffnen sie sich dem Licht, dem Leben,
trinken die Sonne, die Wärme, den Frühling,
um gesättigt und müde dann,
bevor noch erstes Grün die Äste ziert,
sich vom Baume zu lösen.
Blütenblätter, Blatt um Blatt, schweben zum Boden nieder. –

Ich tanze im Mondschein unter den Bäumen
auf Magnolienblütenblätterteichen.

Wenn die Seerosen auf den Bäumen erblühen,
in den Parks, in den Gärten,
ist’s Frühling.

…..  ..  …..  ..  …..

Gemälde mit viel Weiss
@ Sibylle Sophie

Magnolia x soulangiana

Spätherbst.
Mitternachts-Striptease im Park.
Vollmond-Spotlight auf die Wiese.
Dort steht sie, einzig, die Prachtvolle, in ihrer ganzen Schönheit,
gekleidet in buntes Herbstgewand.

Erste Fanfaren der Windbläser erklingen.
Das Sturmorchester spielt auf.
Ich weiß, sie strippt nur für mich heute Nacht,
nur für mich ganz alleine.

Und sie wiegt sich, und biegt sich,
lässt ihr Gewand um sich fliegen,
zum Himmel hinauf, und zurück.
Auf die Erde Stück für Stück –
Blatt für Blatt.

Nackt steht sie da,
nackt, und schöner denn je, als der Morgen dämmert. –
Seerosen trug sie im Frühling –
rosarot, wie dieses erste Morgenlicht.

Magnolia x soulangiana.

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Einem Gast gegenüber gewalttätig zu werden, gilt als Frevel; wer aus irgendeinem Grund zu ihnen (den Germanen) kommt, den schützen sie vor Unrecht und behandeln ihn wie einen Unverletzlichen; ihm stehen die Häuser aller offen, und er hat Teil an ihrem Leben.

Gaius Iulius Caesar

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Autor: terencehorn

Auf meinem Blog poste ich Storys aus den 90ern. Zumeist witziges und spontanes Zeugs rund um Betäubungsmittel, Mädchen und den Wahnsinn im allgemein.

8 Kommentare zu „Montagslyriker – Zerrissene Gardinen in klarer Saphirnacht“

  1. Wunderschöne Gedichte am heutigen Montagabend! Bin ganz begeistert von dem Gedicht DEINE HÄNDE. Es ist wirklich traumhaft schön. Habs gleich ein paar Male hintereinander gelesen. Aber auch ZÄRTLICHE DÄMMERUNG ist herrlich. Man spürt die Liebe und die Magie. Einfach wunderschön:-)
    Auch an dich Terence ein Lob für diesen gelungenen Beitrag. Sybille Sophie und du seid heute Abend ein wahres Dreamteam;-)

    Gefällt 1 Person

  2. Lieber Terence, nun ist mein neues Buch erschienen: „Fragmente aus Licht“ Es sind diese Fragmente aus Licht, die in unserer Erinnerung bleiben. Vielleicht magst Du ja „etwas“ damit machen ?? Jedenfalls schicke ich Dir hier einmal drei Fotos von meinem jüngsten geschriebenen Kind

    Herzliche Grüße !

    Sibylle Sophie

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