Hab einen Spielplatz gebaut

Homeoffice sei Dank, hatte ich die letzten Monate Zeit, um mich endlich einem längst fälligen Projekt zu widmen, die Neugestaltung des Spielplatzes unseres Gartenvereins. Den Maschendrahtzaun habe ich gegen einen französischen Staketenzaun ausgetauscht, die Spielgeräte gestrichen, Sand durch Hackschnitzel ersetzt und natürlich die Hütte erneuert. Darauf bin ich echt Stolz, vor allem auf den Terrassenboden, den ich mit fast 600 Edelstahlschrauben an einem Tag hinstellte. Eine Bank für die kleinen und großen Gäste, zum ausruhen, kam auch noch mit dazu. Geplant ist außerdem ein Sonnensegel, um die Bank und den Sandkasten vor der Mittagssonne zu schützen, sowie ein oder zwei Bäume, die für mehr Schatten sorgen. Alles in allem ein sehr schönes Projekt für die Gemeinschaft, welches mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Der Panther. Ein Gedicht des Lyrikers Rainer Maria Rilke

Sein Blick ist vom Vorüberziehen der Stäbe
müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte
der sich im allerkleinsten Kreise dreht
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf.
Dann geht ein Bild hinein
geht durch der Glieder angespannte Stille
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke geboren am 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn. Gestorben am 29. Dezember 1926 in Montreux, Schweiz. Vertreter der Dinglyrik.

„Unter Tieren“ ein Gedicht von Walt Whitman

Unter Tieren zu leben, fiel mir leicht.
Sie sind schweigsam und genügsam.
Lange kann ich ihnen zusehen.
Tiere rackern sich nicht ab, jammern nicht.
Sie wälzen sich nicht im Bett, ihre Sünden beklagend.
Tiere öden mich nicht an, mit ihren angeblichen
Pflichten Gott gegenüber.
Nie sind sie unzufrieden.
Geimpft gegen den Wahn zu besitzen.
Kein Tier beugt sich vor seinesgleichen.
Vor keinem, seit Jahrtausenden tot.
Kein Tier verliert einen Ruf.
Keines ist unglücklich über diese Welt.

Walt Whitman, die Stimme Amerikas. Aus einer anderen Zeit. Sein bekanntestes Werk „Grashalme“ überarbeitete er sein ganzes Leben. Nun wurde ein bisher unveröffentlichter Roman von ihm entdeckt. Wir dürfen gespannt sein.
(übersetzt von Stephan Rossmann)

BUK 100 My old man – A Birthday Greeting

Heute hab ich einen Umschlag mit Absender Matthias Krüger aus dem Briefkasten gefischt, geöffnet und mein Exemplar vorsicht herausgezogen. 100 limitierte Exemplare – gedruckt im Juni 2020.

ExemplarNummer 39

Mit Beiträgen von Jörg Fauser, Dan Fante, Charles Bukowski, Eric Robert Nolan, Benno Käsmäyr, David S. Willis, Ring King u.a., und Terence Horn.

Die nächsten Tage werde ich das mal sichten und mir die einzelnen Beiträge ganz genau anschauen.

Meinen Beitrag habe ich schon veröffentlicht, nachzulesen hier:
Die Auferstehung des Charles Bukowski

Mein Dank an Matthias Krüger und Rebecca McLeish, die Herausgeber von Newington Blue Press >>> http://newington.blue/

Gelegentlich weise – Zitate von T.H.

Über Erfolg weiß ich nur,
dass andere gelegentlich darüber stolpern.“

Der Plan war aufstehen und arbeiten …

Wie blöd diese Chaoten sind,
erkennt man daran,
dass sie ihre eigenen Viertel zerstören,
anstatt die der Reichen.

Läuft? Läuft nicht?
Irgendwas läuft ja immer,
bis irgendeiner gegen den Strom läuft,
bis zum bitteren Ende.

Du fährst immer weiter,
steigst nicht aus.
Bleibst auf dem Gaspedal,
durch die ewige Nacht.

T.H.

100 Jahre Bukowski – Broschüre der Newington Blue Press

Nächste Woche erscheint eine Broschüre zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski. Mit Beiträgen anerkannter Freunde und Kenner des Meisters. Initiator ist Matthias, den einige bereits kennen, u.a. als Teilnehmer bei „An jedem gottverdammten Montag“:

https://terencehorn.com/2016/03/07/an-jedem-gottverdammten-montag-heute-mit-matthias-krueger-dem-kopf-der-beat-company/

Ich freu mich tierisch und bin heiß auf den Stoff.

Schaut euch mal an, wer alles mit dabei ist:
http://newington.blue/here-we-go

Bestellen hier:
http://newington.blue/preorders/

Bleibt auf dem Laufenden, haltet die Ohren steif und lest den richtigen Stoff.

Unser Virus

Unser Virus

Gesichtslose Schlangen in der Innenstadt,

jagen nicht mehr, dem Konsum hinterher.

Warten. Kein Wort der Klage. Kein Protest,

reihen sie sich ein, damit ein anderer lebt.

Unser Virus kennt keine Vorurteile, unterscheidet nicht,

behandelt alle gleich.

Unser Virus spaltet, treibt auseinander,

verhöhnt, gibt Zeit zum Nachdenken.

Wer fürchtet sich, vor dem bisschen Tod?

Willst du ewig leben, an deinem Nachbarn vorbei?

Was hat dir Spaß gemacht?

Hast du geliebt?

Komm, schenk nochmal ein, wage den Tanz,

miteinander durch die Nacht.

Alles wird gut, nicht heute, vielleicht morgen,

in einer besseren Welt.

Stephan Rossmann

Weitere Gedichte findest du hier

„Dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist …“

„Dass diese Furcht zu irren
schon der Irrtum selbst ist …“

… aus aktuellem Anlaß.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831)

Weitere Problemlöser findest du hier

„Schlagt! Schlagt, Trommeln!“ ein Gedicht des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman

zerstörte Landschaft
Erste Schlacht am Bull Run am 21. Juli 1861

Gedicht von Walt Whitman aus dem Jahre 1865, während er als Sanitäter im Bürgerkrieg diente. Aus dem Gedichtband Drum Taps (Trommelschläge), inspiriert nach der Niederlage der Nordstaaten in der Ersten Schlacht am Bull Run.

Schlagt! Schlagt, Trommeln! Blast, Hörner, blast!
Keine Verhandlung – keine Klage!
Kümmere dich nicht um die Schüchternen – kümmere dich nicht um Tränen oder Gebet,
Kümmere dich nicht um den Vater, der den Sohn anfleht,
Lasst weder die Stimme des Kindes, noch die Bitten der Mütter hören!
Macht die Bahren, um die Toten zu schütteln, wo sie auf die Leichenwagen warten.
Mächtig schlägst du schreckliche Trommeln – so laut die Signalhörner blasen.

Übersetzt von Stephan Rossmann

Beat! beat! drums! – blow! bugles! blow!
Make no parley – stop for no expostulation,
Mind not the timid – mind not the weeper or prayer,
Mind not the old man beseeching the young man,
Let not the child’s voice be heard, nor the mothers entreaties,
Make even the trestles to shake the dead where they lie awaiting the hearses,
So strong you thump O terrible drums – so loud you bugles blow.

Porträt von Walt Whitman
Porträt von Walt Whitman

Walt Whitman
geboren am 31. Mai 1819 in West Hills, gestorben am 26. März 1892 in Camden, war einer der bekanntesten US-amerikanischen Dichter.

Weitere Gedicht von Whitman findet ihr in der Lyriksammlung:
Feierabend: Grünschnabel und alte Hasen

Zitat des Altkanzlers Konrad Adenauer

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel,
aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.

Konrad Adenauer
geboren am 5. Januar 1876 in Köln – gestorben am 19. April 1967 in Rhöndorf.
Oberbürgermeister von Köln, Erfinder einer Soja-Wurst, Mitbegründer der CDU und erster deutscher Bundeskanzler

Weitere Gedichte findet ihr in der Lyriksammlung:
Feierabend: Grünschnabel und alte Hasen

Nachts allein am Strand vom amerikanischen Dichter Walt Whitman

allein am Strand

Nachts allein am Strand,

wenn die alte Mutter sie hin und her wiegt, ihr raues Lied singt,
wenn ich sehe, wie die hellen Sterne leuchten, denke ich an den Ursprung und an die Zukunft.

Ein gewaltiges Ebenbild umschließt alles,
Alle Kugeln, gewachsen, ungewachsen, klein, groß, Sonnen, Monde, Planeten,
Alle Entfernungen wie weit auch immer,
Alle Entfernungen der Zeit, alle leblosen Formen,
Alle Seelen, alle lebenden Körper, so unterschiedlich, in verschiedenen Welten,
Alle gasförmigen, wässrigen, pflanzlichen, mineralischen Prozesse, die Fische, das Vieh,
Alle Nationen, Farben, Barbaren, Zivilisationen, Sprachen,
Alle Identitäten, auf diesem Globus, einem beliebigen Globus, existiert oder existieren könnten,
Alle Leben und Todesfälle, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft,
Diese enorme Ähnlichkeit überspannt sie, hat sie immer überspannt.
Wird sie ewig überspannen, komprimieren und einschließen.

Übersetzt von Stephan Rossmann, Mai 2020

 

Originaltext von Walt Whitman:

On the beach at night alone,
As the old mother sways her to and fro singing her husky song,
As I watch the bright stars shining, I think a thought of the clef of the universes and of the future.

A vast similitude interlocks all,
All spheres, grown, ungrown, small, large, suns, moons, planets,
All distances of place however wide,
All distances of time, all inanimate forms,
All souls, all living bodies though they be ever so different, or in different worlds,
All gaseous, watery, vegetable, mineral processes, the fishes, the brutes,
All nations, colors, barbarisms, civilizations, languages,
All identities that have existed or may exist on this globe, or any globe,
All lives and deaths, all of the past, present, future,
This vast similitude spans them, and always has spann’d,
And shall forever span them and compactly hold and enclose them.

 

Weitere Gedicht von Whitman findet ihr in der Lyriksammlung:
Feierabend: Grünschnabel und alte Hasen

Die Auferstehung des Charles Bukowski

Zwischen all dem Alkohol, schmutzigen Frauengeschichten und der Gosse war mitunter banales, verleumderisches und überzogenes Geschwätz, weshalb ich hier und da versucht war, die eine oder andere Seite zu überspringen. Mitunter konnte ich ihn nicht leiden, diesen selbsternannten, größten Dichter der Menschheit, der unverschämt geniale Zeilen zu Papier brachte. Lesestoff, der mich bei der Stange hielt, der mich mitriss, in die eigene Vergangenheit.

Bukowski heulte, als Shirley Temple „I got Animal Crackers in my Soup“ sang. Bukowski heulte in billigen Kneipen. Bukowski läuft in schrecklichen Klamotten rum. Bukowski kann sich nicht unterhalten. Bukowski hat Schiss vor den Weibern. Bukowski hat einen schwachen Magen. Bukowski ist voller Ängste und schiebt einen Hass auf Wörterbücher, Nonnen, Penisse, Busse, Kirchen, Parkbänke, Spinnen, Fliegen, Flöhe und Freaks. Bukowski war nicht im Krieg. Bukowski ist alt. Bukowski kriegt seit 45 Jahren keinen mehr hoch. Wäre Bukowski ein Affe, würde ihn seine Affenhorde davonjagen …“

Ich steckte fest, irgendwo auf dem Weg von einem In-den-Tag-lebenden-Jugendlichen zu einem reifen und verantwortungsvollen Erwachsenen. Orientierungslos ließ ich mich treiben, feierte übertrieben, wechselte die WGs, stützte ab. Man kennt das ja, die ewige Suche nach dem nächsten, noch heftigeren Kick, die gleichen Partys, dieselben Gesichter. Wo ich auch hinschaute – es gab keine Bücher. Es gab Drogen, Exzess, Gedächtnisverlust, vergebene Chancen, Langweile, Kleinkriminalität, Verrat, Liebe, Gewalt und Tod. Nicht ein einziges Buch, hier und da eine Zeitschrift, Werbung. Ich stand auf der Kippe, als er so vor mir lag, mein erster Bukowski: „Kaputt in Hollywood“.

Bukowski kam zur richtigen Zeit, obwohl ich nicht verstand, um was es überhaupt ging. Aber was ich nicht verstand, hörte sich gut an. Ich las diese heilige Schrift noch einmal, ein drittes Mal und so weiter. Bis ich begriff, der Typ steht noch tiefer im Dreck, als du selbst. Es schien fast so, als machte ihm der Scheiß auch noch Spaß. Oder übertrieb er einfach nur, reimte sich was zusammen, guckte bei anderen ab? Mir jedenfalls kam das Zeug echt vor. Bukowski war vor meinen Augen auferstanden, der Anfang von allem. Vor Bukowski herrschte Dunkelheit und danach kam nichts. Ich las seine Romane, Gedichte, jeden Fetzen Text, den ich zu greifen bekam. Ich war infiziert, brauchte täglich neuen Stoff – bis nichts mehr da war.

Ich musste mir was anderes suchen, neue Autoren. Ich ging in Buchläden, Büchereien, den ein oder anderen Flohmarkt. Fand aber nichts, einfach weil Bukowski zu mächtig war. Er entsprach meiner Art zu leben, meinem Humor, meiner Klasse. Wochen-, monatelang, ein Jahr konnte ich nichts lesen. Trotzdem interessierte ich mich fortan für Literatur, Poesie, begeisterte mich für Sprache, fing an zu schreiben. Ich wollte in der Lage sein, meine Erinnerungen zu Papier zu bringen. Nach und nach entdeckte ich die anderen: Fauser, Djian, Camus, Fante, Whitman, Kerouac, Hemingway, Celine …

Bukowski blieb die Wahrheit, eine ehrliche Haut, der Antiheld. Er war das Original, der Gegensatz zur allgemeinen Meinung. Ein Schriftsteller, der gegen alle Widerstände seinen Stil durchboxte, der hemmungslos das eigene Leben opferte, um seine Geschichten niederzuschreiben. Der Typ machte, was er wollte. Wer hätte nicht gern diesen Mut, diese Klasse?

Vergiss es! Du bist nicht Bukowski, nicht mal Jesus. Keiner wird je Bukowski sein, nicht mal er selber konnte ihn überzeugend spielen. Bukowski war eine Illusion, eine falsch verstandene Romanfigur, die andere Seite von Hollywood. Bukowski war das Ideal eines verlorenen Träumers, der letzte Outlaw, ein versoffener Alkoholiker, Familienvater und Schriftsteller. Bukowski versteckte seine Fehler nicht, er gab damit an. Beschissene Jobs, Magendurchbruch, schlechte Nerven, der ewige Kampf ums Überleben unter der Sonne Kaliforniens.

An diesem schönsten, reichsten und fortschrittlichsten Flecken der Erde lebte er ein unerträglich hartes Leben, getränkt in billigen Alkohol, in der Gewissheit, der größte lebende Dichter zu sein. Wer Bukowski verstehen will, muss den Alkohol verstehen, muss lernen ihn zu lieben und zu hassen und er muss süchtig sein. Er muss die Veränderung spüren, den Hass, die Hoffnung und den Schmerz. Bukowski ist dran zerbrochen, viele tausendmal. Er ist eben nicht liegen geblieben, sondern auferstanden und weitergelaufen, zu seiner Schreibmaschine, zu einer Frau, zur nächsten Flasche.

Prost, mein Freund!

 

Zum 100. Geburtstag des amerikanischen Poeten Charles Bukowski

Henri Chinaski, der Mann aus Andernach

Gebräunte Körper, strahlende Stars, Glitzer und Glamour, der endlose Pazifik vor der Haustür. Dem Smog zum Trotz, kann man es sich schön machen, in Los Angeles, Kalifornien. Nehmen wir also an, er liegt nicht unter einer Marmorplatte, mit der Aufschrift „Don’t try“. Gehen wir davon aus, er steigt gegen Mittag aus seinem Bett, zündet sich eine Kippe an, frühstückt gut, geht anschließend in den Garten, mäht den Rasen, malträtiert ein, zwei Stunden seine Schreibmaschine, trinkt seine tägliche Ration. Natürlich viel weniger als früher, lebt sein Leben. Was hätte er noch geschrieben, an sensationellem Material?

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Kölner Liebesgöttin auf dem Weg nach Amsterdam – Eine Kurzgeschichte

„In Köln ist voll der geile Rave.“

Schnupfi hielt mir den Flyer drei Zentimeter vors Gesicht, wedelte penetrant damit herum.

„Alter, komm mal klar!“ bedrängte er mich, stach mir den Wisch glatt ins Auge. Ich wurde sauer, nahm ihm den Flyer ab und schmiss ihn in den Abfalleimer.

„Wir checken freitags den Rave und am Samstag Amsterdam.“ quatschte Schnupfi unbeirrt weiter. Stoffel, der seinen Comic beiseitelegte, weil an lesen nicht mehr zu denken war, brachte die Idee: „Wir rufen Momo an. Die wohnt doch in Köln. Vielleicht können wir bei ihr übernachten und vielleicht feiert sie ja mit.“

Hetero, lesbisch meinetwegen vegan, Momo gab einem das Gefühl zuckersüß zu sein. Eine Liebesgöttin, die hier und da ein wenig naschte. Ich kannte Momo seit der Grundschule und hab’s probiert, wie jeder andere auch. Nutzte aber nichts, Momo stand auf Männer, mit Muskeln und so. Das war’s dann für mich.

Stoffel griff zum Hörer, wählte die Nummer und fing an zu quatschen und quatschte und quatschte und quatschte, bis er endlich auflegte.

„Können wir vergessen! Am Wochenende sei schlecht, sie muss lernen und so Zeug.“ Informierte er uns.

„Und für die Info quatscht ihr fast eine Stunde?“ echauffierte sich der enttäuschte Schnupfi. Stoffel sah aus, als läge er mit Bauchschuss vor einem heruntergewirtschafteten Salon in Tombstone, Blut spuckend, der letzte Wunsch wurde ihm verweigert. Momo war nicht wie wir, Momo stand auf Ziele, Ehrgeiz und so Zeug. Deswegen war sie ja nach Köln gezogen, um dort eine spezielle Schule zu besuchen, in der es keine Noten gab, dafür Theater, Astralleiber und Malkästen. Verrückt!

„Jetzt mal ganz ruhig, versetzt euch in Momos Lage. Stell dir vor, du fliehst aus dem traurigsten Kaff, in die große weite Welt, lässt den Provinzscheiß hinter dir und fängst ein neues Leben an. Du lebst dich ein, vergisst das Schlammloch aus dem du kamst und findest neue Freunde. Das Paradies auf Erden, alles schön und gut, bis irgendwann, aus heiterem Himmel, ein paar dieser Reptilien auf die Idee kommen, ihren Sumpf zu verlassen, um ein komplettes Wochenende bei dir abzuhängen. Was würdest du tun?“

Leben und Sterben mit Charles Bukowski (1920-1994)

Der amerikanische Schriftsteller Charles Bukowski über die Vergänglichkeit

Bukowski lebte am Limit, jahrelang in einer Grenzregion zwischen Leben und Tod. Schlägereien, Magendurchbruch, Alkoholvergiftungen, sonstiger Scheiß, der ihn in die Knie zwang. Kein Wunder also, dass einige Lebensweisheiten rund um Leben und Tod dabei herauskamen. Einige möchte ich heute vorstellen und schon mal ankündigen: Der Meister feiert nächstes Jahr 100. Geburtstag genau wie Fritz Walter (Superheld von 54) oder Marcel Reich-Ranicki (der urige Literaturnörgler), Federico Fellini (La Dolce Vita), Yul Brynner (die bestaussehendste Glatze aller Zeiten), Mario Gianluigi Puzo (Der Pate) und natürlich Karol Józef Wojtyła (besser bekannt als Johannes Paul II). Wie ich gehört habe soll es einiges an Veröffentlichungen, Partys und so weiter geben. Wir dürfen also gespannt sein, was da 2020 auf uns zurollt.

Leben und Sterben mit Charles Bukowski (1920-1994) weiterlesen

Interview bei Leserkanone, das endgültige Büchergericht

Terence Horn

Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 18.05.2019

Nicolle Kreutzner interviewt Stephan Rossmann, veröffentlicht auf Leserkanone. Warum „Joshua – die Liebe Gottes“? Wer ist dabei? Wer sind die Helden? Wie gehts weiter? … einfach mal reinlesen:

Stephan Rossmann Interview bei Leserkanone

C’est la vie Philippe Djian

Der Lesestoff der Franzosen

Betty Blue ist tatsächlich das erste Buch, welches ich gelesen habe, dass mir wirklich etwas bedeutete. Davor gab es “Die Drei ???”, der ein oder andere Schinken meiner Eltern, viel gelesen habe ich sowieso nicht, den Namen Bukowski nie gehört. Da war also dieser coole Typ, mit dieser tollen Frau, der sich gerade so durchs Leben schummelte, nicht viel erwartete und noch weniger bekam. Er stand aufrecht, während sie schwankte, ausschlug, zu den Sternen, dem Tod entgegen. Das war schon was, eine Geschichte, eine erste Vorbereitung auf das, was die Zukunft bringen sollte.

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