C’est la vie Philippe Djian

Der Lesestoff der Franzosen

Betty Blue ist tatsächlich das erste Buch, welches ich gelesen habe, dass mir wirklich etwas bedeutete. Davor gab es “Die Drei ???”, der ein oder andere Schinken meiner Eltern, viel gelesen habe ich sowieso nicht, den Namen Bukowski nie gehört. Da war also dieser coole Typ, mit dieser tollen Frau, der sich gerade so durchs Leben schummelte, nicht viel erwartete und noch weniger bekam. Er stand aufrecht, während sie schwankte, ausschlug, zu den Sternen, dem Tod entgegen. Das war schon was, eine Geschichte, eine erste Vorbereitung auf das, was die Zukunft bringen sollte.

Betty Blue ist keine Liebesgeschichte, dieser Illusion darf man sich nicht hingeben. Betty Blue ist die Geschichte eines Mannes, den das Leben rundschliff. Zorg ist ein Mann, der ein Danke zu schätzen weiß, einen Freund, eine gute Tat. Betty ist die Katastrophe, der Vulkan, der alles verschlingt, was ihm im Wege steht, ohne Rücksicht auf Verluste. Er hebt sie auf, wenn das Leben sie niederschlägt, immer und immer wieder, der Trainer eines lebensmüden Boxers. Sie lieben sich wahrhaftig, und schaffen es doch nicht. Was für ein Mann. Was für eine Frau. Was für ein Frankreich. Sonne, Meer, ein Job als Hausmeister, C’est la vie.

Djian gibt als literarische Vorbilder Typen wie Henry Miller, Jack Kerouac und Salinger an. Womit er natürlich die richtige Schiene fährt. Nach dem Krieg waren es die Jungs jenseits des Ozeans, die etwas Neues auf die Beine stellten, während wir die Häuser wiederaufbauten. Djian beschäftigt sich mit dem Leben, die Menschen bedeuten ihm etwas, diejenigen, denen er auf der Straße begegnet. Djian schreibt mit Leichtigkeit über Katastrophen, die Menschen in die Knie zwingen, lacht dabei, singt Lieder von Gilbert Bécaud. Einmal sagte er:

„Frag nicht, warum du schreibst und für wen, schreibe stattdessen, als sei jeder Satz dein letzter.“

Philippe Djian kam 1949 in Paris zu Welt, seine Eltern waren ganz normale Leute. Er studierte Literatur, brach ab, besuchte eine Journalismus Schule, brach ab, versuchte es auf die harte Tour. Heuerte nach Südamerika an, es gelang ihm nicht, er folg nach Amerika, Südamerika, ohne Erfolg, kehrte nach Frankreich zurück, arbeite als Lektor, die Gelegenheitsjobs fingen an, unter anderem bei einer Mautstell, wer kennt das nicht? Wie so oft rettete ihn eine Frau, Année Djian, die er 1974 heiratete, mit der er bis heute zusammen ist. Sein erstes Buch wurde abgelehnt, drei Jahre lang, bis er es unter die Leute brauchte, vier Jahre später der Flug in den Himmel, er hatte es geschafft, „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ fortan war er ein Star, ein internationaler Schriftsteller, der jedes Jahr genau ein Buch herausbringt, der eine Seite am Tag schreibt, der von dieser einen Seite am Tag wunderbar Leben kann. Djian zieht gerne um, lebt mal hier, mal da, in den schönen Städten der Welt, derzeit wohl in Biarritz und Paris. Die Djians haben drei Kinder.

Bücher, die ich von ihm gelesen habe: „Wie die wilden Tiere“, „Die Leichtfertigen“, „100 zu 1““. An Betty Blue kam er leider nicht mehr ran, sein Meisterwerk. Melancholische Ironie, pessimistisch lebenslustig, erotisches Knistern, ein lesenswerter französischer Autor, dessen Lesestoff wir im Auge behalten sollten, gerade die alten Werke. Bei den neueren Arbeiten hat man doch den Eindruck, der gute Mann ist ein wenig fettgefressen, ohne die rechte Motivation. Um bei der Wahrheit zu bleiben, da war geradezu unlesbares dabei. Genau deswegen werde ich mal wieder bestellen, und zwar den guten, alten Lesestoff, als sein Herz blutete, die Augen offen waren: Blau wie die Hölle, Verraten und Verkauft, Rückgrat, Krokodile, Heißer Herbst, Schwarze Tage, weiße Nächte.

„Wie willst du dieses Leben durchstehen, ohne nicht mindestens einmal an was zerbrochen zu sein?“

die Franzosen bei ihrer Lieblingsbeschäftigung

Und natürlich werde ich auch dieses Jahr meinen Urlaub in Frankreich verbringen. Einfach weil ich das Land liebe, weil ich die Franzosen liebe und die Franzosen lieben mich (Obwohl ich so gut wie kein Französisch spreche). Essen, Trinken, Schlafen, C’est la vie.

Die Bücher habe ich bestellt, wurden auch gleich am nächsten Tag geliefert, ich fing an zu lesen:

Krokodile
Sechs lesenswerte Kurzgeschichten, aus dem Leben gezogen, die mich sogar an Bukowski erinnerten. Klar, nicht ganz so hart, so schonungslos, mit Happyend, aber hat was. Man merkt bei Djian, dass er sich die Geschichten ausdenkt, Bukowski erzählt zumeist Erlebtes, erfindet hier und da noch was dazu. Djian erzählt von einem coolen Typen, dessen Nachbar, ein Schriftsteller, durchdreht. Überhaupt sein Lieblingsthema, Schriftsteller. Verlegt bei Diogenes, wie alle Bücher von ihm. Was gut ist, mir gefallen die Titelseiten.

Erogene Zone
Ein großartiges Buch, das ich gleich zweimal lesen werde, mit einigen unübertroffenen Zeilen, an die ich lange denken musste

Pas de deux
Lesenswerte Liebesgeschichte mit Rückblicken

Kriminelle
Finger weg!

Rezension von Mia – Gegenwartsliteratur Engelhorn

Buch Werbung für Engelhorn

 

Quelle: Engelhorn- Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend -Rezension

Unsere Mia hat mal wieder so ein Ding rausgehauen. Eine Rezension zu der Gegenwartsliteratur Engelhorn, und ja, mir gefällt was ich da lese. Gerne mal vorbeischauen bei Miasraum

Die 90er Kurzgeschichte – Das letzte Jahrzehnt in Freiheit

Gegenwartsliteratur, Pulp Fiction und die Deutsche Einheit

Die 90er waren das letzte Jahrzehnt in echter Freiheit, in Demokratie, in unbeschwerter Lebenslust. Wenn wir ehrlich sind, danach gings bergab, den Bach runter und zwar so richtig. Eine Lieblingskneipe nach der anderen machte dicht, Rauchverbot, schlecht bezahlte Jobs, wahnsinnige Präsidenten, Rechtsruck und ständig hält dir einer ein veganes Würstchen unter die Nase. Meinungsfreiheit mag zwar weiterhin erlaubt sein, aber verdammt, die 90er waren cool, die Leute waren cool und die Zeit war cool, genau wie Pulp Fiction cool war, mit dem coolsten aller Sprüche:

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Der französische Schriftsteller Michel Houllebecq

Phantastische Welt mit Blumen
@ Terence Horn

Prophet, Genie, schwer aussprechbar:

Mit dem Französischen hab ich ja so meine Schwierigkeiten, obwohl ich das Land liebe und oft nach Frankreich in Urlaub fahre. Meine Freunde und Bekannten fragen regelmäßig: „Erzähl mal, wo wart ihr denn so?“ „Ja, Ähm, also, ich zeig es dir besser auf der Karte.“ Wer weiß schon, wie man Villefranche-de-Rouerque oder Entraygues-sur-Truyére ausspricht? Also ich nicht. Getoppt wird diese Unverständlichkeit nur noch von französischen Schriftstellern. OK, Céline ist kein Problem, Philippe Djian ist gerade noch OK, aber spätestens bei Antoine de Saint-Exupéry hört der Spaß auf. Letztlich der Grund, warum ich „Der kleine Prinz“ nie gelesen habe. Frag mal in einer Buchhandlung nach einem Autor, dessen Namen du nicht aussprechen kannst. Vergiss es!

So zumindest ging es mir, bis ich anfing Bücher online zu bestellen. Selbst wenn man nur eine ungefähre Ahnung davon hat, wie sich der gesuchte Autor schreibt, Google findet ihn. Anton de Sankt Aubergine, ich hab keine Ahnung, ins Suchfeld eingegeben, Google korrigiert und findet Antoine de Saint-Exupéry als drittes Suchergebnis. Dieses Programm fasziniert mich immer wieder.

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