Der Maiskolben ist größer als die Ratte – Eine Kurzgeschichte

„Es gibt keine größere Enttäuschung, als wenn du mit einer recht großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst.“
 
Christian Morgenstern

 

„Rossi! Ich guck nach dir, schon die ganze Zeit. Los komm!“
Schnupfi packte meine Hand, wollte mich unbedingt von der Tanzfläche zerren. Worauf ich so gar keine Lust hatte, schon allein wegen seiner hirnrissigen Aktion letzte Woche, als er mein Techtelmechtel mit Bella sabotierte. Dieser kameradschaftliche Amoklauf hing weiterhin unverarbeitet im Raum. Als ich ihn darauf ansprach, druckste er rum und konnte keine Gründe benennen oder wollte nicht. Sein Gehirn musste raten, was Emotionen anging. Womit ich nicht behaupten will, er hätte nie welche gehabt. Schnupfi ging einfach nur falsch mit seinen Empfindungen um. Ein existentielles Gefühlsproblem, das ihn zu einem Sonderling machte.  Weiterlesen „Der Maiskolben ist größer als die Ratte – Eine Kurzgeschichte“

Sturz aus dem Paradies – fränkisches Heimatgedicht

Gott und Frau Jean-Auguste-Dominique Ingres
Terence Horn in Würzburg

An Weihnachten kehr ich heim, zu den Meinigen
und erinnere mich an meine Stadt:

1988 kam ich endlich raus. Zumindest vormittags kehrte ich meiner Kleinstadt den Rücken und besuchte fortan eine Schule in Würzburg. 16 Jahre alt und ein „schwieriger Schüler“, der unendlich froh war, was neues zu erleben. Zum Beispiel begann die Schule fortan um neun, da unser Schulbus meist Verspätung hatte und wenn nicht, behaupteten wir es einfach. Von Oktober bis April war der „Schnee“ schuld, dazwischen lagen die Ferien und andere Ausreden. Die geschenkte Stunde verbrachten wir in den Cafés der Stadt, tranken Cappuccino und schlugen die Zeit tot. Ab der zehnten Klasse schenkte ich mir auch die anderen Stunden und wurde zum selten gesehen Gast in der Schule und zum Stammgast in den Cafés und Kneipen. So begann meine Liebe zu Würzburg. Der Stadt, die mich fortan nicht mehr loslassen sollte. Nach der Schule absolvierte ich eine Lehre zum Großhandelskaufmann bei einem damals weitbekannten Schraubengroßhändler in der Innenstadt. Dort sammelte ich genügend Stoff für unzählige Kurzgeschichten und ein Kapitel in meinem Roman „Lucia – Mein liebster Wahnsinn“. Ich hing so viel in Würzburg ab, dass ich auch gleich hinziehen konnte. Mit zwei Freunden bezogen wir eine kleine 3-Zimmer Wohnung in der Innenstadt und ab da wurde es wild. Unter der Woche hingen wir in der Tomate ab, im Kult oder tanzten im Laby und am Wochenende kam keiner am Rockpalast vorbei. Zumindest solange bis im Airport Techno auflegt wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Auf ein Cocktail
in die Tomate
Zwei Bier im Kult
selbst am Nebentisch
lachten sie sich kugelrund

Den Reim müsst
ihr verzeihn
mein Herz
war hier daheim

Fürs Leben gern
ein Teil von Dir
trennte uns die Geldgier

Im Schwabenland
malochen geh
konnt ich nicht mehr
die Festung sehn.

Heut bereu ich
denk an dich zurück
an die schöne Zeit
und wünsch mir mein
Würzburg
zurück.

Der Terrorist aus dem zweiten Stock- eine Kurzgeschichte

Liebe Nachbarn,

wer letzte Woche in den Fahrstuhl pinkelte sei dahingestellt. Auch habe ich keine Erklärung für die gesprengten Briefkästen an Silvester und zu dem Altpapier sei gesagt, ich bin stets bemüht mein Altpapier zu zerkleinern. Es gab vielleicht ein oder zwei Fälle, wo ein Karton nicht nach DIN??? zerlegt worden ist. Jedoch gab es nie den Fall, zumindest nach meinem Wissen, dass jemand im Hause sein Altpapier nicht losgeworden ist. Sollte dies wider Erwarten doch so gewesen sein, stehe ich gerne zur Verfügung und biete meine uneingeschränkte Hilfe an.

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Auf die Freundschaft, ein Gedicht für meine Freunde

Mohn auf blauem Hintergrund
@ Terence Horn.

Freunde, ihr füllt mein Herz mit Stolz!

Gehorsam versprach ich euch, treue Gefolgschaft.
Den bedingungslosen Willen, alles zu trinken,
was auf den Tisch kommt.

Ölt eure Gaumen,
schärft eure Sinne, preist Dionysos.
Der innere Kreis,
die Elite des Rausches.

Mit keinem außer euch,
trinke ich das Leben.
Prost!