An eine Prostituierte von Walt Whitman, amerikanischer Dichter

Sei ruhig – sei heiter,
ich bin Walt Whitman,
warmherzig und wollüstig wie die Natur.

Solange die Sonne dich nicht verleugnet,
verleugne auch ich dich nicht.
Solange die Wellen sich nicht weigern für dich zu glänzen,
solange die Blätter sich weigern für dich zu rascheln,
sollen meine Worte sich weigern,
für dich zu glitzern und zu rauschen.

Mein Mädchen, wir verabreden ein Treffen,
Sei fröhlich! Ich beauftrage dich,
mich zu empfangen,
und rate dir, sei geduldig und fertig bis ich komme.
Bis dahin, grüße ich dich, mit einem bedeutsamen Blick,
damit du an mich denkst.

Übersetzt von Stephan Rossmann

Walt Whitman war ein Verfechter der Freiheit und Demokratie, ein Großstadtbürger, ein Naturbursche, der das Individuelle predigte.


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Schlagt! Schlagt, Trommeln von Walt Whitmann, amerikanischer Dichter

Schlagt! Schlagt, Trommeln! Blast, Hörner, blast!

Keine Verhandlung – keine Klage!

Kümmere dich nicht um die Schüchternen –

kümmere dich nicht um Tränen oder Gebet.

Kümmere dich nicht um den Vater,

der den Sohn anfleht.

Lasst weder die Stimme des Kindes,

noch die Bitten der Mütter hören!

Macht die Bahren, um die Toten zu schütteln,

wo sie auf die Leichenwagen warten.

Mächtig schlägst du schreckliche Trommeln –

so laut die Signalhörner blasen.

Übersetzt von Stephan Rossmann

 

Beat! beat! drums! – blow! bugles! blow!

Make no parley – stop for no expostulation,

Mind not the timid – mind not the weeper or prayer,

Mind not the old man beseeching the young man,

Let not the child’s voice be heard, nor the mothers
entreaties,

Make even the trestles to shake the dead where they lie
awaiting the hearses,

So strong you thump O terrible drums – so loud you bugles blow.

Original von Walt Whitman
Das Gewissen der Vereinigten Staaten von Amerika.
Geboren am 31. Mai 1819 in West Hills, USA
Gestorben am 26. März 1892 in Camden, USA

Walt ist einer der einflussreichsten Dichter der USA. Reimform interessierte ihn nicht, er pulverisierte Grenzen, das Individium fügt sich dem Ganzen:

„Ich feiere mich selbst, singe mich selbst,
was ich mir erlaube, sollst du dir erlauben,
denn jedes Atom, welches mir gehört, gehört auch dir.“

Whitman war der Urvater der amerikanischen Protestsänger, der Beat-Genaration, dier Countrymusik.
Gerade von ihm können wir Menschlichkeit und Natürlichkeit lernen.


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„Heutige Weltkunst“ ein Gedicht von Friedrich Freiherr von Logau

Titelbild für meine Malerei
Apfelbaum auf Wiese, gemalt mit Acrylfarben auf Leinwand. http://www.malerei-stuttgart.de

Anders sein und anders scheinen;

Anders reden, anders meinen;

Alles loben, alles tragen,

Allen heucheln, stets behagen,

Allem Winde Segel geben,

Bös und Gut dienstbar leben.

Alles Tun und alles Dichten

Bloß auf eignen Nutzen richten.

Wer sich dessen will befleißen,

kann politisch heißen.

Friedrich Freiherr von Logau
Deutscher Dichter des Barocks
Geboren im Januar 1605 auf Gut Brockuth
Gestorben im Juli 1655 in Liegnitz

Passt aktuell ganz gut, mit Blick auf die Wahlen in den USA. Der Friedrich kannte sich aus mit Diktatoren, Sonnenkönigen und Despoten. Verfasser tausender Epigramme, Adliger, schrieb unter dem Banner „Alles Zu Nutzen“.

Letztlich lieferte Friedrich das Ergebnis gleich mit:

Bleibt beim Saufen! Bleibt beim Saufen!
Sauft, ihr Deutschen, immer hin!
Nur die Mode, nur die Mode gebt dem Teufel hin!


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„Vereinsamt“ Gedicht von Friedrich Nietzsche, Deutscher Philologe

Die Krähen schrein

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnein,

Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,

Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!

Was bist du Narr

Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt – ein Tor

Zu tausend Wüsten stumm und kalt!

Wer das verlor,

Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,

Zur Winter-Wanderschaft verflucht,

Dem Rauche gleich,

Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr

Dein Lied im Wüstenvogel-Ton!

Versteck, du Narr,

Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnein,

Weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche
Deutscher Philologe, d.h. zuerst Preusse und dann staatenlos
Geboren am 15. Oktober 1844 in Röcken
Gestorben am 25. August 1900 in Weimar
Nietzsche war schwer zu greifen, bereits mit 24 Jahren Professor, „Also sprach Zarathustra“, „Ecce homo“:

„Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.“

Der Übermensch, bis ihn seine psychische Störung vernichtete. Erkrankt an Syphilis, diese heimtückische Krankheit, der so viele Künstler zum Opfer fielen.


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Die Ameisen von Ringelnatz, deutscher Schriftsteller und Kabarettist

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Denn auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Joachim Ringelnatz
geboren am 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher
gestorben am 17. November 1934 in Berlin

Am 7. August 1883 wird Hans Gustav Bötticher in Wurzen geboren. Er ist der Sohn von Georg Bötticher und Rosa Marie, geborene Engelhart.
1901 verlässt Hans Gustav die Schule und fährt als Schiffsjunge nach Amerika. Weitere Seefahrten kommen hinzu.
1905 Kaufmännische Lehre bei der Ruberoid GmbH in Hamburg. Ab 1907 erste Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Fritz Dörry. Auftritte bei Kathi Kobus in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus.
1910 erscheint ein erster Gedichtband.
1912-1913 Zeit als Bibliothekar.
Die Kriegszeit von 1914-1918 bestreitet er als Matrose bei der Kriegsmarine, ab 1917 Leutnant zur See. 1919 wird aus Hans Bötticher – Joachim Ringelnatz. Hochzeit mit Leonharda Pieper, genannt Muschelkalk genannt.
1927 Erste Auftritte im Berliner Rundfunk, Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“.
1930 dann der Umzug mit Muschelkalk nach Berlin-Charlottenburg.
Ab 1933 Auftrittsverbot durch die Nazis.
Am 17. November 1934 stirbt Joachim ingelnatz in Berlin.


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