Das Ende der Welt – ein Gedicht

Gedicht von Stephan Rossmann

Danach kommt nichts mehr

Das Ende der Welt

Bin ich froh, hier zu sein

Kein Laut, kein Sein.

Schön ist es, ein ganz besonderer Fleck

An dem ich nicht bleiben darf

Nicht heute, morgen oder übermorgen

Die gleiche Strecke zurück.

Gleich bin ich bei dir, geliebtes Leben

Atmen, ich muss atmen

Ein und aus, mehr muss ich nicht

Dem Licht entgegen, schaff ich es nicht.

Stephan Rossmann, irgendwann 2017.

 

Ein Tag Sommer – Gedicht

Ein Tag Sommer

Versteckte Tränen, schweres Blut, warmer Stein

An diesem einen Tag, im verregneten Mai

Leiser Wüstenwind wehte über die Berge

Weckte den Sommer in der Stadt

Eine Ahnung, ein Gefühl, ein gern gesehener Leichtsinn

von Stephan Rossmann

Gedicht von Emily Dickinson – Vor aller Lehmgestalt!

Emily Dickinson, Amerikansiche Dichterin

Vor aller Lehmgestalt

Von allen Seelen die geschaffen –
Hab eine ich – erwählt –
Wenn Sinn von Geist sich trennt –
Und Ausflucht – nicht mehr zählt –
Wenn das was ist – und das was war –
Für sich – und wahrhaft – steht –
Und dieses kurze Erdenstück –
Wie Treibsand – ist verweht –
Wenn Formen ihre Schönheit zeigen –
Und Nebel weg gewallt,
Siehe die Urform – die ich meine –
Vor aller Lehmgestalt!

Emily Dickinson, die größte unter der Sonne, lebte ungefähr zur selben Zeit wie Walt Whitman. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sie sich jemals begegneten. Die gute Frau verließ so gut wie nie das Haus, selten ihr Zimmer. Trotzdem war ihr Geist groß genug um solch schöne Worte zu produzieren. Selbst veröffentlichte sie gar keine Gedichte, war scheu und litt an Depressionen. Eine besondere Frau, deren Schönheit weiterlebt.

Gesang von mir Selbst, von Walt Whitman (US-Dichter)

Walt Whitmann auf einem Foto

Gedicht über den Schwätzer

Ausschnitt aus Walt Whitmans „Gesang von mir Selbst“
Walter Whitman (geboren am 31. Mai 1819 : gestorben am 26. März 1892, US-amerikanischer Dichter.) Vielen bekannt aus dem Film „Club der toten Dichter“. Jedoch hatte Whitman weitere Auftritte, u.a. bei den Simpsons, Dr. Quinn, Jim Jarmusch, Footloose, Kurt Tucholsky und so weiter. Sein Hauptwerk heißt Leaves of Grass (Grashalme). Bedenkt man die Zeit, zu der Walt Whitman lebte, so war er seiner Zeit wohl weit voraus. Im Wilden Westen herrschten die Colts, in Deutschland dutzende Fürsten und Könige, Hungerkrisen in Europa ließen die Menschen als Flüchtlinge in die USA auswandern, Charles Darwin publiziert seine Theorie über die Evolution, Whitman schreibt über die Natur, homosexuelle Neigungen, verehrt den Transzendentalismus.

… Ich hörte, was die Schwätzer schwatzen, Geschwätz von Anfang und Ende. Ich aber schwatze nicht von Anfang oder Ende.

Niemals war mehr Anfang als jetzt,
nie mehr Jugend und Alter als jetzt,
nie war mehr Vollkommenheit als jetzt,
nie mehr Himmel und Hölle als jetzt.

Trieb und Trieb und Trieb,
stets der zeugende Trieb der Welt …

Weitere Infos gerne auf Wikipedia
oder The Walt Whitman Archive

Sonne und Schatten – Gedicht von Ralph Waldo Emerson

Brahma

Der rote Schläger denkt, dass er schlüge,
und der Erschlagene denkt, er sei erschlagen:
Sie wissen nicht, wie heimlich ich es füge,
dass alle Dinge mich im Innern tragen.

Für mich ist nah, was ferne und versunken;
Sonne und Schatten geben sich nichts nach;
Götter erscheinen mir, die längst entschwunden;
ein und dasselbe sind mir Ruhm und Schmach.

Wer mich verleugnet, kennt nicht seine Lage:
Wenn er mich flieht, bin ich, was ihn beschwingt;
ich bin der Fragesteller und die Frage;
ich bin das Lied, das der Brahmane singt.

Die Götter sehnen sich nach meinen Gründen,
den Heiligen Sieben lass ich keine Ruhe;
du, Liebender des Guten, wirst mich finden
und kehrst dem Himmel deinen Rücken zu.

Ralph Waldo Emerson, der Streber, Gutaussehende, Amerikaner, Gewissen einer Nation, Gegner der Sklaverei, Verfechter einer funktionierenden Natur

Das Sauerkrautgesicht – ein Gedicht fürs Volk

Die Auferstehung einer verlorenen Liebe

Der deutscheste Deutsche besiegte zuerst sich selbst,
Ursprung und Lösung all unserer Probleme, liebster Zeitvertreib.
Ein erloschenes Herz, das keine Ruhe fand, als Repräsentant der Völker durch Europas schmutzige Sumpflandschaften irrte.
Gott segne ihn, den geheimnisvollen Unbekannten.

Der deutscheste Deutsche, aus dem Nichts geboren, ein Sauerkrautgesicht mit Fischaugen. Bejubelter Witz, im erlauchten Kreis ungenutzter Möglichkeiten. König des sittlichen Empfindens, Retter, Heiland und Erlöser, verspricht seinem Volk Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Ein Gummibärchen auf dem Weg zu wahrer Macht.
Gott sehne ihn, den designierten Imperator.

Der deutscheste Deutsche lüftet die Maske, gibt sich als einsamer Reiter,
in dunkelster Nacht zu erkennen, dem es erlaubt sei zu sprechen,
weil er sich als flüchtiger Furz erwies. Ein laues Lüftchen,
welches fröhlich und unerschrocken verpufft. Ein Goldfisch im Piranhabecken skrupelloser, verrückter, unberechenbarer Staatenlenker.
Gott segne ihn, den deutschesten Deutschen.

Gedicht von Stephan Rossmann

 

 

Unter Tieren – Lyrik von Walt Whitman (Amerikanischer Dichter)

Ein Gedicht, den Tieren gewidmet

Ich glaube, es fiele mir nicht schwer, unter Tieren zu leben.
Sie sind so still und genügsam.
Lange kann ich dabei verweilen, ihnen zuzusehen.
Sie rackern sich nicht ab, sie jammern nicht, wie schlecht sie dran sind.
Sie welzen sich nachts nicht im Bett, um ihre Sünden zu beklagen.
Sie öden mich nicht an, indem sie mir ihre Pflichten gegenüber Gott darlegen.
Keines von ihnen ist unzufrieden, keines infiziert vom Wahn,
etwas besitzen zu müssen,
keines beugt vor seinen Artgenossen das Knie,
auch nicht vor irgendeinem, der seit Jahrtausenden tot ist.
Keines hat einen Ruf zu verlieren,
keines von ihnen ist unglücklich über diese Welt.

Walt Whitman, einer der ersten Selfpublisher. Sein bekanntestes Werk „Grashalme“ überarbeitete er sein ganzes Leben. Nun wurde ein bisher unveröffentlichter Roman von ihm entdeckt. Wir dürfen gespannt sein.